Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 2 (1862) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 145 (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420974-2420976--0151-2421310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kayserling: Mendelssohn. 145 Seine Sorgfalt für Erhaltung des Friedens ließ ihn vielmehr auch bei seiner Uebersetzung des Pentateuch lieber den überlieferten Annahmen nachgeben, um nicht den Widerspruch herausznfordern. Aber wiederum wirkte er gerade auf diese Weise für seine Zeit am Besten. Und wohl dürfen wir sagen: Wäre Mendelssohn anders gewesen, thatenlustiger, hätte er eine Umgestaltung beabsichtigt, er wäre für die Juden nimmer der geworden, als welchen er sich in der Geschichte bewährt. Er war groß in seiner Zeit. Umsomehr muß er auch in seiner Zeit, muß auch seine Zeit, namentlich die jüdische, in voller Beleuchtung hervortreten. Auch hierin scheint mir der Vers, nicht das Genügende zu thun. Wohl werden die Personen, mit denen er in Berührung tritt, mehr oder weniger besprochen, aber ein Zeitbild wird uns nicht geboten, am Allerwenigsten von dem jüdischen Geistesleben, in das er eintrat und das ihn umgab. Gerade aber dieser sein Ursprung wie seine Umgebung sind geeignet, ein Helles Licht auf ihn zu werfen. Selbst einzelne kleine Züge tragen auf solche Weise zur Vervollständigung des Bildes, zur Erklärung seiner Entwickelung bei. So empfiehlt er einst einem Verwandten den damaligen Rabbiner der Gemeinde Neuwied, der auch ihrer gemeinsamen ״hochgeachteten" Familie angehöre, indem er gleichfalls von Moses Jsserles abstamme*). Man weiß, wie die Abstammung von einer solchen gefeierten Autorität der ganzen Familie einen gewissen Adelstolz aufdrückte, aber auch sie über die Gewöhnlichkeit erhob. Die Erinnerung an einen solchen Ahnen verklärte die finstere Hütte der Armuth, verlieh Muth, in Mitten aller Bedrängnisse ihm nachzueifern, drückte dem Kraftlosen den Stab sittlicher Würde in die Hand, so daß er nicht in Rohheit versank. Wer weiß, ob nicht dieser Familien-Talisman den schwachen Knaben Moses aufrecht erhielt? Die Darstellung des Verfassers ist faßlich und ungezwungen, frei von Schwulst und Plattheit, und nur selten sind Ausdrücke, wie der mehrmals sich wiederholende: ״Ein richtiger Berliner". Freilich jener edlen Popularität, die ihres Stoffes würdig ist, ist er nicht Herr geworden. Jedenfalls bleibt die Arbeit eine verdienstliche, weil *) S. 492 Anm. 3. Moses Jsserles nämlich ist natürlich der ^בעי המפה, der die ״Decke" (d. h. die Ansätze) über den ״anbereiteten Tisch" des Joseph Karo breitete, nicht ״Abele Gumbinner", wie der Verf. irrthümlich hinzusügt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.