Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Necenslonen. umsomehr, je mächtiger die Schranken waren, die sich ihr entgegenstellten, und dieser Sturm war bei ihr um so erschütternder, die zehrendc Gluth um so aufreibender, als jede Gelegenheit, diesen Drang in Thaten umzusetzcn, dem Jllden entzogen war. Nahel empfand diese unbefriedigte Sehnsucht lebhaft und drückte sie energisch aus. So in einem ihrer Briefe an Veit (Briefwechsel II. S. 70 ff.): ״Ich habe solche Phantasie, als wenn ein außerirdisch Wesen, wie ich in diese Welt getrieben wurde, mir beim Eingänge diese Worte mit einem Dolch in's Herz gestoßen hätte: Ja, habe Empfindung, sieh die Welt, wie sie Wenige sehen, sei groß und edel, ein ewiges Denken kann ich dir auch nicht nehmen. Eins hat man aber vergeffen, sei eine Jüdin! lind nun ist mein ganzes Leben eine Verblutung:c." Auch der ruhigere Veit kann diesen Mißmuth nicht bezwingen, wie er u. A. mit bitterer Ironie sagt (das. S. 99): ״Wohl sind wir lahm und müssen gehen, und darum will ich nach Frankreich, weil nur dort jetzt gute hölzerne Beine gemacht werden; mehr wird wohl die Revolution nicht für die Juden sein." Es ist ganz natürlich, daß in diesen Kreisen der maßhaltenDe M., der seincr ganzen Richtung nach die Bewältigung, nicht den Ausbruch aller leidenschaftlichen Hast anstrebte, der nicht das Losreißen von der Vergangenheit im Allgemeinen, und von der jüdischeil insbesondere, sondcrn liebevolles Hegen derselben verlangte, daß M. Ln diesen Kreisen mit vornehmem Achselzucken betrachtet wurde, und Nahe! gicbt auch diesem Unmnthc über ihn vollen Ausdruck. Veit bleib': jedoch in diesem Punkte klarer und gerechter. ״Allerdings — sagt et in einem Briefe (I. S. 88), eine frühere Aeußerung Nahel's wiederholend — Allerdings hat Mendelssohn orientalische Tournüre; nur vergessen Sie nicht, daß er diese Touruüre aus guten Gründen beibehalten, vielleicht affectirt hat. Er wollte zeigen, daß ein Jude mit dem Geiste seiner Väter, und ganz nach dem Muster des Orients gebildet, die höchste Freiheit erreichen kann; er wollte durch sein Beispiel zeigen, was der Jude als Christ und Jude leistet; er hat sich immer bemüht, zwischen beiden Partheien durchzuschwimmcn, und manchmal steht freilich auch dem geübtesten Schwimmer die Arbeit der Hände nicht an und der Angstschweiß auf der Stirne. Wie viel Lob und Tadel in diesem Urthul liegt, darf ich Ihnen nicht erst noch auscinandersetzcn." — Und an einer andern Stelle (S. 121) sagt er über ihn: ״In seinen früheren Schriften war er gratiös, aber die Litcratnrbricfe! aber Jerusalem!