Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kayserling: Mendelssohn. 141 hebräische Biographie Euchel's, welche bald nach M/s Tode erschien, war ein schönes Werk liebevoller Pietät, aber zn nahe dem Leben des Helden, vermochte cs dasselbe nicht zu überschauen. Die seinen sämmtlichcn Werken beigegebene Biographie ist so dürr und nackt, daß man die Liebe zu dem, welchem hier ein Denkmal gesetzt werden soll, mitbringen muß, um diese nordische Eisrcgion zu erwärmen. Nicht als verlangte ich von dem Biographen eine geflissentliche Ueberschä'tzung, enthusiastische Lobpreisung, apologetisches Verkennen und Bemänteln von Schwächen und Mängeln. Ich verlange vielmehr, namentlich auch in Beziehung auf Mendelssohn, daß er vollkommen objcctiv und unbefangen gewürdigt, daß die Schranken seincr geistigen Begabung und seines Standpunktes nicht vertuscht werden. Der Biograph Mendelssohn's muß ihn, meiner Ueberzeugung nach, nicht als den Höhepunkt, sondern als den Ausgangspunkt unserer Entwickelung bezeichnen. Aber ist es ein Mann werth, daß seine Schriften gesammelt werden, daß eine Biographie die Momente seines Lebens nnd Wirkens znsammenfasse, so muß er doch, mit Beachtung der Zcitverhä'ltnisse, seiner vollen Bedeutung nach und, was bei M. besonders hervorzuheben ist, nach dem gewichtigen Einflufse seiner Persönlichkeit und seiner Nachwirkung auf einen großen enger mit ibm verbundenen Kreis geschildert werden, und hier darf es der Biograph, namentlich M/s, nicht daran fehlen lassen, sich für seinen Helden zu erwärmen, sich liebevoll in sein wahrhaft liebenswürdiges Wesen zu versenken. Der Bcrf. der vorliegenden Biographie befriedigt in dieser Beziehung gerechte Ansprüche. Ohne Ueberschwänglichkeit nimmt er an dem Menschen, dem Schriftsteller, dem Inden warmen Anthcil; die reichen Miltheilungen, die allmälig auch über M. in der letzten Zeit immer mehr hervorgetrctcn, sind von ihm gewissenhaft benützt, um ein vielseitiges Bild seines Wollens, Denkens nnd Wirkens zu liefern. Sorgsam sucht der Vers, auch alle Aeußerungen mehr oder minder bedeutender Menschen über M. auf und vergißt er auch die kargen Liebcsspenden nicht, welche zur Feier seines hundertsten Geburtstages dargebracht wurden (S. 474 ff.). Deshalb wundert cs uns umsomehr, daß er die beachtcnswerthcn Urtheile David Veit's iu seinen Briefen an Rahel übersieht. Bekanntlich hatte sich die Sturm- und Drang-Periode, die in den letzten Lebensjahren M/s ihren Anfang nahm, ganz besonders der gebildeten jüngeren jüdischen Generation bemächtigt, und Dies