Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Recensivnen. glücklicher Weise. Ich hebe einen Punkt hervor. Der Vers, bespricht gelegentlich S. 114 ff. die thalm. Angabe, daß die Bibel 613 Gesetze enthalte. Dieselbe kommt zumeist blos im Munde Spalerer vor; ob ste wirklich in Mechiltha Jithro e. 5 ursprünglich gestanden oder blos späterer Zusatz ist, ist mir noch zweifelhaft. Die Hauptstelle dafür ist Makkhoth 23b. Die Begründung, die dort dafür gegeben wird, ist, wie der Vcrf. richtig bemerkt, ״offenbar eine spätere gesuchte, künstliche Anlehnung", und Bertheau schließt aus dem Umstande, daß die wirkliche Grundlage, worauf diese Annahme beruhe, nirgends, d. h. in den thalmudischcn Schriften, angegeben ist, darauf, daß ״ste auf uralter Tradition beruhe". Der Verfasser jedoch findet in dem sehr späten Midrasch Bamidbar rabba c. 18 (vgl. c. 13), daß die Gesetzestafeln 613 Gesetze enthalten, entsprechend der Anzahl der Buchstaben, aus welchen die Zehngebote von bis לרעך an bestehen ״nicht mehr und nicht weniger". Nun aber beträgt die Zahl der Buchstaben in den Zehngeboten des Exodus 620, also stebcn zu viel, und ein Zusatz in Bamidb. r. c. 13 meint daher, die überschüssigen sieben entsprächen den 7 Schöpfungstagen, der Verf. will darin, nach Andern, die sieben noachidischcn Gebote mitgezählt wissen. Auch das sind aber offenbar künstliche Erklärungsversuche, die uns das Ganze verdächtig machen können. Allein der Kanon, den wir bei solchen Traditionen, die in den thalmudischen Schriften plötzlich austauchcn, ohne daß wir ihren Zusammenhang mit sonst begründeten Annahmen erkennen, aufzustcllen haben, muß so gefaßt werden: Die Tradition ist eine alte, sie hatte ihre Begründung in einer alten Ansicht; diese wurde später geändert, die darauf begründete Folgerung aber war bereits fest gewurzclt und erhielt sich selbstständig fort, und zuweilen taucht dann in ganz späten Schriften die alte Ansicht auf, ohne daß der Widerspruch mit der angenommenen neueren gelöst wird. Beispiele für die Richtigkeit dieses Kanons habe ich mehrfach in meiner ״Urschrift" gegeben, auch in dem Aufsatze über die Levirats-Ehe in Beziehung auf Er und Thamar, wie oben S. 117 über die Zeit des Thurmbaues. Wenden wir ihn nunmehr auf den vorliegenden Fall an. Die ältere Redaction des Dckalog im Exodus enthielt wirklich blos 613 Buchstaben, daraus entstand die Annahme, der Umfang aller Gesetze sei an Zahl 613; eine spätere Redaktion ergänzte ihn, so daß er nunmehr 620 Buchstaben enthält, allein die Annahme von 613 Gesetzen erbte sich fort, ohne Laß man nach deren weiterer Be-