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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 2 (1862) · p. Seite 124

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 124 (sequence 40)
Language
German
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124 Recensionen. äußere Bezeugung den Glauben auferlegen will. Ein solcher Glaube freilich bricht zusammen, wenn die Bezeugung in Zweifel gezogen wird. Die Offenbarung im Geiste aber trägt ihre Bürgschaft in sich, und diese Bürgschaft fürchtet keine Erschütterung. Diese geistige Offenbarung ward, wie es Juda Ha-Levi sinnig im Kusari entwickelt, dem ganzen Israel, zunächst allerdings in seinen begabtesten Trägern, den Propheten; ob nun Dieses und Jenes dem früheren oder späteren Propheten, einer früheren oder späteren Zeit angehöre, das war Nebensache, das Ganze war ein Ausfluß göttlicher Offenbarung, der geistige Inhalt des Offenbarungs Volkes. Freilich finden sich solche Aeußerungen bei den Alten nur vereinzelt; sic richteten ihre Aufmerksamkeit mehr auf den Inhalt, kritische Fragen und historische Untersuchungen lagen ihnen fern. Unsere Zeit hat dafür ein tieferes Verständniß; man erkennt, daß nur, wenn wohl gesichtet und nach der Aufeinanderfolge der Zeiten geordnet der Stoff vorliegt, der geistige Gehalt nach seiner allmaligen Entwick'clung erfaßt werden kann. Erkenntniß des Judenthums in seiner Wahrheit ist nur möglich durch biblische und thalmudische Kritik. Zur Schwierigkeit dieser Untersuchung gesellte sich aber, namentlich unter den Juden, die Scheu, das Heilige zu berühren. Durch Jahr- Hunderte langen Geistcsdruck war der frische Geist der Tradition sehr vcrschrumpft, seine Klarheit getrübt, und man wagte kaum der biblischen Kritik irgend ein Recht cinzuräumen, man übergeht ihre Fragen und Ergebnisse mit Schweigen, als würden jene dadurch beschwichtigt, diese damit beseitigt, als wenn nicht gerade lediglich durch eine gesunde Kritik der geschichtliche Gang beleuchtet und mit ihm erst das wahre hohe Wesen des Judenthums erkannt würde! Um so erfreulicher ist cs uns, die in der Aufschrift angegebene tüchtige Schrift zur Anzeige bringen zu können. Ihre umfassendste Aufgabe hat die biblische Kritik am Pentateuch; als Buch, das die grundlegende Geschichte und das normircndc Gesetz enthält, konnte er nicht das Werk eines Einzelnen bleiben, er war im vollsten Sinne des Wortes das Buch des ganzen Volkes, wie er es für das ganze Volk war, das Buch der ganzen Offenbarungszeit. Wie die Aufgabe daher die umfassendste ist, so ist sie auch die schwierigste. Sie thcilt sich namentlich in drei verschiedene Abthcilungcn, von denen die zwei ersten fast ausschließlich ihre Anwendung nur auf den Pentateuch finden. Die erste ist die Erkenntniß seiner allmaligen Entstehung, die Sonderung der Theilc, aus denen er be-

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