Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenfionen 1. Der biblische Bericht über die Stiftshütte. Ein Beitrag zur Geschichte der Composition und Diaskeue des Pentateuch von Dr. Ju lius Popper. Leipzig 1862. XVI n. 256 S. 8. Es giebt eine doppelte Art des Glaubens: einen äußerlich dogmatischen und einen innerlich lebendigen. Der crstere knüpft sich an Thatsachen und Personen, und werden ihm jene schwankend und diese unsicher, so stürzt sein ganzes Gebäude. Dieser wurzelt in Ueberzcugungen, die ihren geschichtlichen Zusammenhang mit der Vcrgangenheit haben, aus ihr hcrfließen und fortdauernd ihre Nahrung erhalten, ohne daß sie jedoch der Krücke jeder einzelnen Thatsache und jeder einzelnen Persönlichkeit bedürften, um durch sie gehalten zu werden, und ohne daß cs von ihnen hieße: es bricht die Stütze, da strauchelt der Gestützte. An dem äußerlich dogmatischen Glauben hielten Sadducäer, Samaritaner und Karäer. Die Offenbarung galt ihnen durch bestimmte Personen und in bestimmten Büchern als abgeschlossen; die Authentie der Bücher, ihre ganze und volle Berechtigung sowohl als auch die Unstatthaftigkeit ihrer Erweiterung und Entwickelung ist ihnen Grund- und Glaubenssatz. Von dem innerlich lebendigen Glauben wurden Pharisäismus und Nabbinismus getragen, nnd sie leiteten ihn fort bis zur Gegenwart. Der Gehalt der Offcnbarungslehre war für sie der einzige Maßstab; an ihm maßen sie die Würdigkeit der Personen, die Aechtheit der Bücher und ihrer einzelnen Bestandtheilc. Nach den zum innersten Eigenthum gewordenen Ueberzcugungen gestalteten sie überkommene Ansichten und Vorschriften um, arbeiteten sie aus, nahmen davon und fügten hinzu mit jener Zuversicht, die ihrer selbst gewiß ist und durch keine noch so unbefangene Betrachtung vergangener Thatsachen erschlittert werden kann, weil die Thatsachen ein Product der Ucberzeugung gewesen, nicht diese von jenen abhängt. Daher die kühnen Worte über die einzelnen biblischen Bücher und ihre Verfasser neben