Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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94 n. Die Orgel kannten Aussprache, sie seien הכמה ואינה מלאכה. Dann kam jene buchstäbelnde Außenfrömmigkeit und verlangte am Sabbathe eine starre Nuhe (שבות), die alles Leben abtödtete. Der Saddncä'ismus wollte am Sabbathe kein Licht brennen lassen, keine Wohnung geheizt wissen, keinen ehelichen Umgang dulden"); leblos sollte Alles sein, das war ihre Heiligkeit. Wies der Pharisäismus auch entschieden solche An- Forderungen ab, so war er doch Anfangs etwas zaghaft in Beziehung auf das Gebot absoluter Ruhe. Von diesem Standpunkte aus heißt cs in der Mischnah Vezah 5, 2: Folgendes ist verboten an Sabbath und Festtagen wegen des absoluten Nuhegcbotes (״ :(שבותMan steige nicht auf einen Baum, reite nicht auf einem Thicre, schwimme nicht auf dem Wasser, schlage nicht die Hände zusammen, nicht die Hand auf die Hüfte und tanze nicht." Das trägt ganz das Gepräge jener puritanischen finstern Lautlosigkeit, die in jeder Bcwegung, in jedem Tone eine Entweihung des Sabbaths sieht; ob Unterlassung von Gesang und Musik mit in diese absolute Nuhe einbegriffen sind, ist nicht einmal ausdrücklich gesagt, wenn auch zu vermuthen. Der Pharisäismus jedoch in seiner Weiterbildung — die Gcmara — ist mit diesem Erfordernisse der absoluten Ruhe nicht einverstanden, er sucht daher diese Vorschriften auf ein anderes Gebiet zu lenken, sic zu ängstlichen Vorbeugungsgesetzen umzugestalten; er würde sie sicherlich nicht geschaffen haben, doch da sie ihn! einmal Vorlagen, so suchte er ihnen wenigstens andere Gründe untcrznlcgen und zwar in der Art, man möchte durch deren Begehung verleitet werden, eine wirkliche Arbeit zu verrichten. ״Man steige nicht auf einen Baum, heißt cs, aus Vcsorgniß, man möchte dann auch Etwas von demselben abpfiücken u. s. w.; man schlage nicht die Hände zusammen u. s. w. aus Bcsorgniß, man möchte musikalische Instrumente an fertigen und aus bessern" (Gemara Vezah 36b). Eine solche Besorgnis׳ konnte wahrlich nur Ln einer Zeit ausgesprochen werden, in der die musikalischen Instrumente in sehr roher, leicht anznfcrtigender Gestalt sich befanden, sie war ein bloßer Nothbchclf, um Vorschriften, die aus einer überwundenen religiösen Anschauung entstanden waren, noch eine ׳gewisse Unterlage zu geben. Und dieser starren Lautlosigkeit, diesen gesuchten Besorgnissen, die kein gebildeter Mensch heute noch vorzubringcn wagen wird, sollen *) Vgl. Reifmann's Abhandlung über י!" של שכת und Schorr über אוכלי ש, כ in He-Cha luz VI.