Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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H. Die Orgel. 93 und Nabbinismus mannhaft angekämpft haben, wenn sich auch von ihr in traurigen Zeiten des Druckes Manches doch Ln diesen eingeschlichen hat. Schon zur Zeit, als noch der Tempel stand, fühlte der Pharisäismus den Drang, sowohl in Jerusalem als auch anderswo, neben dem Tempel Synagogen zu errichten; er begnügte sich nicht, wie die priesterlichcn Sadducäer, mit Opfern durch die Priester, mit Gesang und Musik durch die Leviten, er verlangte Gebet für ,, das ganze Volk. Als dann der Tempel zerstört wurde, hatte der Pharisäismus bereits seine Synagogen, sie waren ihm das „kleine Heiligthum" — klein, weil nicht eine einzelne das ganze Israel in sich vereinigte —, er sprach es kühn aus, die Gebete entsprächen den Opfern (Berachoth 26 b), ja sie seien besser als Opfer (das. 32b), er verlangte keinen Tempeldienst, ihm genügten die Gebete; der Sadducäismus schaute immer auf die verlorene priesterliche Herrlichkeit zurück. Atlmälig schlich sich freilich, wider den ursprünglichen Geist des Pharisäismus, Klagen und Seufzen nach dem Tempel mit seinen Opfern ein; aber die Würde der Synagoge stieg dennoch immer höher, und wenn irgend eine Einrichtung aus dem Tempel — wie Musik — nicht in die Synagoge übertragen wurde, so geschah cs nicht, weil man die Bedeutung dieser geringer achtete, sondern weil man das Gebet in ihr für so allgenügcnd hielt, daß ein anderes Erfordcrniß nicht vorhanden war. Wir stimmen freudig in diese Auffassung ein; das Gebet soll und muß das Wesen unseres Synagogen-Gottesdicnstes sein, darf weder hinter Opfer noch hinter Gesang und Musik zurücktretcn, soll nicht durch Schnörkckeien und Schaugepränge verunziert werden. Aber daß das Gebet gehoben werde durch Gesang und Musik, daß seine Einwirkung dadurch erhöht werde, das ist dringendes Bedürfniß, und wenn Gesang und Musik im Tempel in den Vordergrund trat an Sabbathen und Festtagen, so dürfen, so müssen sie in unfern Synagogen als Begleiterinnen dem Gebete einen größeren Nachdruck, eine tiefere Innigkeit verleihen. Also für unsere Synagogen würde ein Sabbathverbot in Betreff des Musi ei re ns auch dann nicht existiren, wenn es überhaupt vorhanden wäre. Allein es ist ein solches gar nicht vorhanden. Auch hier spuken die sadducäisch-karäischen puritanischen Anschauungen, die die Sabbathfeier aus einer würdigen in eine äußerliche verkehren. Die Bibel kennt ein solches Verbot durchaus nicht, sie kennt blos das Arb eits verbot, und daß Gesang und Musik keine Arbeit sei, wird allseitig zugestanden nach dem be-