Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420979-2420980--0385-2421220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II. Sadducäer und Pharisäer. 53 den. Ich habe wahrscheinlich gemacht (Urschrift S. 137 ff.), daß diese Differenz von den Boöthusen hervorgesncht war, um den nichtpriesterlichen Gelehrten die Calenderbestimmung überhaupt zu entziehen, und um so hartnäckiger widersetzten sich die Pharisäer. In diesem Kampfe, der um die Bedeutung des Wortes שבת sich drehte, ohne daß für die eine oder die andere Ansicht ein entscheidender Beweis gefunden werden konnte, machte nun Hillel eine glückliche Di- Version durch die Lösung der zwei widersprechenden Verse 2. Mos. 12, 15 und 5. Mos. 16, 8. Indem er die Lösung darein setzte, daß die eine Stelle aussagte, es können die ungesäuerten Brode sechs Tage lang von neuer Frucht genossen werden, so war offen ausgesagt, daß alljährlich das Omer am zweiten Passahtage dargebracht werde, nicht blos wenn dieser zufällig auf einen Sonntag trifft, während sonst nur eine geringere Zahl von Tagen im Passah die neue Frucht erlaubt wäre. So führt denn auch wirklich Simon ben Elasar, ein bekannter Vorkämpfer gegen die Samaritaner — welche auch hier die Ansicht der Boethusen adoptirt hatten — diese Deutung zur Begründung der pharisäischen Annahme an^^). Freilich war diese Deutung selbst keine glückliche. Die sechs Tage können nach dem ausdrücklichen Wortlaute der Stelle im Deuteronomium nicht in Gegensatz zu einem vorangegangenen ersten, wie es die Hillel'sche Deutung verlangt, gebracht werden, sondern zu dem nachfolgenden siebenten. Man ließ auch später diese Deutung fallen; 29) Sifra zu 3. Moses 23, 15, Emor. 6. 12; Menachoth 66a. In Sifre zu 5. Mos. 16, 8 ist gewiß auch אלעזר p nach ר, שמעון hinzuzufügen. Solche Zurücklassung des ״b. Elasar" kommt auch sonst noch vor. So wird jer. Thaanioth 4, 2 etwas im Namen ״Simon's" schlechtweg mitgetheilt, was babli das. 27 a und jerus. Peßachim 4, 1 dem b. Elasar zugeschrieben wird. Daß Simon ben Elasar auch in seinen halachischen Entscheidungen seine Gegnerschaft gegen die Samaritaner (Sadducäer und Karäer) im Auge hat, zeigt auch eine andere Stelle. In Mischnah Peßachim 4, 4 wird unter andern Dingen, die der Verschiedenheit des Gebrauches anheimgegeben werden, gesagt, daß man sich auch darin der Sitte des Ortes anzuschließen habe, ob man am Abende des Versöhnungstages Licht brennen habe oder nicht. Dazu bemerkt S. b. E. in einer Baraitha, welche in jer. und bab. Gem. (53 b) angeführt wird, daß auch an jenen Orten, die den Gebrauch haben, kein Licht am Abende des Versöhnungstages zu brennen, doch solches brennen müsse, wenn der Versöhnungstag auf einen Sabbath trifft. Dies hat seinen Grund nur darin, um gegen die Samaritaner, welche wie Sadducäer und Karäer das Brennen — nicht blos das Anzünden — des Lichtes am Sabbathe verbieten, zu demonstriren.