Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 51 (sequence 54)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2420979-2420980--0383-2421218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

11. Sadducäer und Pharisäer. 51 b. Dorotheus seine Lehre, daß nicht blos das Passah, sondern auch das Wallfahrtsopfer am Sabbathe geschlachtet werden dürfe, eben mit dem besprochenen Verse begründet: Du sollst das Passah von Schafen und Rindern schlachten; unter Passah ist hier — mit Hittel — zu verstehen: das Wallfahrtsopfer, dieses hat demnach gleiche Dignität und hat daher auch die Kräft, das Sabbathsverbot zu brechen. Dieses ist die volle Consequenz des pharisäischen Anspruchs, das geweihte Festmahl des Nichtpriesters dem priesterlichen Tempelopfer gleichzustettcn. Ich glaube nun nicht zu irren, wenn ich Dies auch als ursprüngliche Behauptung Hillel's betrachte, die aber freilich in dieser Ausdehnung bei der ängstlichen Schule nicht durchdrang. Hillel's Name stand zu gefeiert da, als daß man ihm eine solche abrogirte Ansicht zuschreiben sollte; man führte sie in der Tradition daher lieber auf einen nicht anerkannten, wohl auch heftigeren Zeitgenossen zurück, und schrieb ihm gerade darüber einen Widerspruch mit Schemajah und Abtalion zu. Für Hillel ließ man nur im Allgemeinen die farblose Schriftdeutung, die aber ohne die daran sich knüpfende praktische Consequenz gar keine Bedeutung hat, und allmälig schob rnan auch die Deutung in den Hintergrund. Juda b. Dorotheus aber ließ man sich zurückziehen, und zwar nach dem Süden, dorthin, wo auch später die Ueberreste der älteren Schule, wie Jsmaels, einen Sammelplatz fanden. Denn allerdings ging noch in späterer Zeit die ältere Richtung hier weiter in ihrer Gestattung, das Sabbathverbot zu beseitigen, als es die sonst kühnere jüngere Richtung that. Der Tempel war gefallen, die Opfer wurden nicht mehr dargebracht; wozu sollte cs dieser also, in der Theorie den Privatopfern eine so große Berechtigung über den Sabbath einzuräumen? Elieser, der Repräsentant der älteren Halachah, ist es daher, welcher in Mischnah Peßachim 6, L. 2 auch Vorbereitungen für das Schlachten des Passahopfers am Sabbathe gestattet, wenn es auch sonst am Sabbathe verbotene Arbeiten sind, während Josua und Akiba, welche die neue Halachah endgültig feststellen, ihm darin entgegentreten. Wie sehr diese Abweichung nicht als eine einzelne, sondern als im Zusammenhänge mit der ganzen abweichenden Richtung betrachtet wurde, beweisen die Worte, welche die jerus. Gemara dem Josua in den Mund legt, wenn er Elieser auf die siegreiche Argumentation Akiba's hinweisend, auf ihn die Worte Sebul's an Gaal (Nicht. 9, 38) anwendet: ״das ist ja das Volk, das Du verachtet, nun ziehe aus und kämpfe wider es!" Elieser aber soll (Bar. in bab. 69a)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.