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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 41

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 41 (sequence 44)
Language
German
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11. Sadducäer und Pharisäer. 41 IV. Der Pharisäismus ist demnach keine des Schimpfes würdige Bezeichnung, er ist ein Ehrenname, er bezeichnet in seinem Kreise das Princip, das die ganze Weltgeschichte als das der fortschreitenden Entwickelung bewegt. Wenn er in Halbheit, nicht frei von Auswüchsen aufgetreten, so ist das das Loos einer jeden Idee, wenn sie in die Erscheinung tritt, die geschichtliche Verwirklichung versucht. Wo wir im bürgerlichen Leben den Kampf eines aufstrebenden Bürgerthums gegen einen engherzigen, selbstsüchtigen Adel wahrnehmen, da wiederholt sich der lange mühsame Kampf der Pharisäer. Wo das geläuterte, zu sittlicher Mündigkeit erwachsene Volksbewußtsein gegen die religiöse Selbstüberhebung der Priesterschast in die Schrankcn tritt, wenn es dieser eine höhere Heiligkeit nicht zugestehen, sondern nur dir persönliche Würdigkeit gelten lassen will, da sehen wir dasselbe Streben sich geltend machen, wie es der Pharisäismus, und er zuerst in der Weltgeschichte, eifrig vertreten hat. Die Reformation hat keine anderen als die oben angeführten Worte des zweiten Makkabäerbuches auf ihre Fahne geschrieben, daß Gott Allen das Priesterthum und die Heiligung gegeben. Der Protestantismus ist das volle Spiegelbild des Pharisäismus, wie der Katholicismus das des Sadducäismus, sein geschichtlicher Verlauf entwickelt sich in gleicher Weise, und nicht minder wird es das Ende sein. Auch der Protestantismus leidet an den Halbheiten, die dem Pharisäismus anklebten; jüngere, konsequentere Richtungen müssen ihn zu seiner Wahrheit bringen. Auch im Schoße des Katholicismus machen neuerdings pharisäische Bestrebungen sich geltend. Das Verlangen, dem höchsten Vertreter des Katholicismus die weltliche Herrschaft gänzlich zu entziehen, dabei aber seine priesterliche Macht zu wahren, ist so recht eine Halbheit pharisäischen Beginnens, das nothwendig, als innerlich mit Widersprüchen behaftet, zu schärferer Folgerichtigkeit in Gedanken und Ausführung sich durcharbeiten muß. Jedoch es ist überflüssig, die welthistorischen Parallelen weiter zu verfolgen. Was vor Allem Noth thut, das ist, daß wir unbcfangen die Vergangenheit verstehen, und daß nicht vorurthcilsvotte Voreingenommenheit die Thatsachen der Geschichte trübe.

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