Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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11. Sadducäer und Pharisäer. 39 aus und befestigte den Pharisäismus, und zwar den muthig vorschreitenden, noch mehr. Ben-Khosiba's Unternehmen zwar mißlang, aber sein ״Bannerträger" Akiba ward Haupt des weiter sich entwickelnden Pharisäismus, er bildet die neue Halachah zu einem vollen Systeme aus und dringt mit ihr Lurch. Immer mehr schwand der Sadducäismus aus der Oeffentlichkeit, wenn er sich auch noch still forterbte. Der Codex, in welchem Juda der Fürst, zwei Geschlechte nach Akiba, die neue Halachah zusammenstettte, übergeht Sadducäer und Boöthnsen fast mit Stillschweigen; nur an äußerst wenigen Stellen wird ihrer abweichenden Ansichten namentlich gedacht, auch sonstige Hindeutungen sind spärlich. Die Baraitha's, weniger in officiellem Tone gehalten, Thoßeftha und Sifra, sind auch weniger zurückhaltend, und dennoch sind auch ihre Anführungen sehr spärlich, weil im Leben kaum mehr ein Kampf war, und selbst die Erinnerungen allmälig verblichen. So geht es iu beiden Gemaren fort. In den weiten Discnssionen, Ln welchen sie sich ergehen, in den gelegentlichen Anknüpfungen, die sie mit wahrer Vorliebe herbeibringen, kommt es ihnen sehr selten in den Sinn, etwas über Sadducäer und Boethusen zu berichten. Auch die Kenntniß ihres Ursprungs verlor sich; ihre politische Stellung vergaß man, ihr Zusammenhang mit dem Priesterthume war gelockert, nur ihre einzelnen gesetzlichen Streitpunkte und die damit in Verbindung stehenden Abweichungen in der Exegese und die Verwerfung einer Tradition für die pharisäischen Anordnungen waren geblieben. Was eine späte Quelle, die Aboth des Nathan (etwa im 8. Jahrh.) von ihrer Entstehung sagt — und früher schweigen darüber die rabbinischen Quellen vollständig —, ist daher von Falschem und Wahrem gemischt. So ist es natürlich, daß die thalmudischen Quellen blos nothdürftig über den Sadducäismus und seine gesetzlichen Behauptungen belehren. Zur Ergänzung dient uns, was wir über die Samaritaner wissen, insofern es nicht mit deren specifischcr Sectentendenz im Zusammenhänge steht; denn sie beharrten in gesetzlichen Dingen auf dem vorpharisäischen, d. h. sadducäischen Standpunkte. Diese dürftige Ergänzung wird vervollständigt durch die Karäer. Denn im Laufe der Zeit schien sich der Sadducäismus noch einmal zu ermannen, zu verjüngen. Ein belebender Hauch wehte aus dem fugendlichen, bald mit der Wissenschaft sich vermählenden Islam auch das Judenthum an. Schon an sich mußte eine unterdrückte Partei begierig eine neue Richtung ergreifen, an der sie sich wieder etwas auf-