Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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38 II. Sadducäer und Pharisäer. Genug, Jesus steht auf pharisäischem Grunde, kämpft mit pharisäischen Waffen gegen pharisäische Halbheit. Er selbst jedoch wie die spätere judenchristliche Partei litt nicht minder an dem inneren Widerspreche, das Gesetz einerseits aufrecht erhalten, andererseits es aber doch brechen zu wollen. Die heidenchristliche Partei ihrentheils, die die Siegerin blieb, setzte sich mit ihrer vollen Aushebung des Gesetzes gegen bestimmt ausgesprochene Worte Jesus' selbst in vollen Widerspruch. Dessen Lösung, die sie in dem Opfertode Jesus' suchte, der alles Gesetzliche überflüssig machte, führte sie zu einem unklaren Mysticismus, erzeugte die Vorstellung eines Gottesopfers selbst, kurz, brachte trübe heidnische Elemente in das von Jesus erweiterte pharisäische Reformbestreben. Jedoch lassen wir die weitere Entwickelung des Christenthums, als außerhalb unseres Gebietes, und verfolgen wir die weiteren Schicksale des Saddueäismus und Pharisäismus auf ihrem eigenen Boden. Mit dem Römerkampfe begann wieder das Spiel der Diplomatie bei den herrschenden Familien, während der Eifer im Volke brennender ward; der Einfluß des Pharisäismus steigerte sich, sein Muth wuchs, eine neue Halachah wurde von der Hillel'schen Schule gepflegt, die sich viel weiter von dem Saddueäismus entfernte, als es der ältere Pharisäismus, den die Schammaitische Schule noch vertrat, gewagt hatte. Im politischen Leben gewann zuletzt sogar eine wilde Demokratie, die der Kannaim oder Zeloten13), die Oberhand. Als der Staat zusammenbrach, verloren die Sadducäer, die schon früher das religiöse Uebergewicht eingebüßt und blos noch als herrschende Aristokratie eine Bedeutung hatten, allen Halt, sie erhielten sich blos kümmerlich. Ein neuer Befreiungskampf brach unter Ben-Khosiba 13) Deren Grundgesinnung, ihren wilden Haß gegen das Ausland wie ihre Abneigung gegen alle geordnete Herrschaft im Staatsleben, ihren Glauben, daß bürgerliche Unterordnung nur ein unvollkommener Zustand sei, der blos ertragen werden muffe, weil das biblische Gesetz nicht gehörig übernommen werde, spricht Nechunia, Sohn eines solchen Eiferers — הקנא p ist zu lesen mit Isaak Aboab in Menorath Ha-Maor IV, 1, 3, 2 (ed. Mantua) st. הקנה —, Schüler Jochanan b. Sakkhai's und Lehrer Jsmaels, entschieden aus, wenn er den Vers Spr. 14, 34 dahin erklärt, Gerechtigkeit und Gnade übten nur Israel, die andern Völker durchgehends Sünde, und damit die andern Lehrer an Gehässigkeit weit überbictet (Baba bathra 10b), ferner aber als Grundsatz aufstellt (Aboth 3, 5): ״Wer über sich nimmt das Joch der Thorah, dem nimmt man das Joch der Regierung und der bürgerlichen Ordnung ab; wer jenes abwirst, dem wird dieses auserlegt."