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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 37

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 37 (sequence 40)
Language
German
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11. Sadducäer und Pharisäer. 37 senden ״Laurer" aus (20, 20), und dann treten zu ihm etliche der Sadducäer (V. 27). Man sieht, in Marcus spiegeln sich die Verhältnisse jener Zeit am Klarsten ab, weniger in Matthäus, noch weniger in Lucas, am Allerwenigsten in Johannes 11). Der Boden also, auf dem Jesus stand und den er bearbeiten wollte, war der des Pharisäismus, er bekämpfte seine Halbheit, kämpfte aber mit dessen eigenen Waffen. Am Schlagendsten spricht sich das ans in seiner Anwendung und Begründung des Ausspruchs, den die Pharisäer gleichfalls aufgestellt: ״Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbaths willen." Gerade diesen allgemeinen Ausspruch, der nicht dem ״Menschensohn" Ln seiner prägn-anten Bedeutung allein die Macht über den Sabbath giebt, sondern allen Menschen, gerade ihn bewahrt wiederum nur Marcus (2, 27) auf, während ihn Matthäus (12, 8) und Lucas (6, 5) an den Parallelstellen zurücklassen. Die Anwendung des Satzes geht jedoch weiter als die Pharisäer sie zugeben, indem sie sie auf Rettung bei Lebensgefahr beschränkten, während Jesus schon dem Hunger gegenüber die Verrichtung einer sonst am Sabbathe verbotenen Handlung, das Ausraufen der Aehren, gestattete. Seine Begründung aber fußt vollkommen auf dem Boden des Pharisäismus. David aß, so argumentirt er, als er mit den Seinigen hungerte, die priesterlichen Brodc und gab auch davon denen, die um ihn waren; demnach darf der Hungrige zur Stillung seines Hungers das vornehmen, was sonst dem Priester blos erlaubt ist. Nun aber verrichlen die Priester alle Arbeiten am Sabbathe, ohne daß sie sich einer Verletzung desselben schuldig machen: warum sollte nun der Hungrige nicht ein Gleiches thun dürfen? In dieser Vollständigkeit enthält diese dialektische Folgerung nur Matthäus, während Marcus und Lucas den letzten Theil von dem Dienste der Priester am Sabbathe zurücklassen, aber Beide wohl nicht aus demselben Grunde. Während nämlich Marcus diese Ergänzung als selbstverständlich zurückläßt, hat sich Lucas, der übrigens überhaupt mehr dem Marcus als dem Matthäus nachschreibt, vielmehr herausgelebt, diese Gleichstellung des Hungrigen mit dem Priester hat für ihn keine Bedeutung mehr *2). ״) Solche und ähnliche Momente, wie sie theils hier folgen, theils schon Urschrift S. 107 Anm. hervorgehoben sind, scheinen mir für die Kritik der Evangelien von hoher Bedeutung. Vgl. auch Matth. 3, 7: Pharisäer und Sadducäer, Lucas 3, 7: Volk. 12) Eine analoge Argumentation Hillel's führe ich im Anhänge aus.

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