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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 35

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 35 (sequence 38)
Language
German
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11. Sadducäer und Pharisäer. 35 risäern immer mehr Ansehen. Diese inneren Kämpfe erleichterten den Römern ihre Einmischung und bahnten dem kühnen Ehrgeize des Herodes den Weg zum Throne. Er war weder Priester noch geborener Jsraelite; allein wie alle Emporkömmlinge liebte er es, den alten Adel an sich zu ketten. Seine Verbindung mit Mariamne hielt am Hofe selbst eine hasmonäische Partei aufrecht, die nunmehr als Opposition volksthümlich ward, weil sie doch durch alte ruhmvolle Erinnerungen eine Wurzel im Volke hatte. Daher die ewigen Pallastintriguen und die daraus hervorgehenden Brutalitäten. Herodes suchte daher nach einer anderen Verbindung mit dem Priesteradel, der ihn legitim machen sollte, aber ihm zugleich treu anhangen mußte, weil er auch seinerseits durch den Herrscher emporgehoben wurde. Er ersah dazu die Familie des Boethus, eine Pricsterfamilie, die aber nicht zu den hohepriesterlichen Functionären gehörte; er heirathete die Tochter des Simon b. Boethus und machte diesen zum Hohepriester. So war ein neuer hoher Adel geschaffen, der, altadeligen Geblüts, mit dem alten hohen Adel sich verschmolz, der aber dennoch seine Erhöhung dem Herrscher verdankte und so an sein Haus geknüpft war. Das sind die Boethusen. Ihre doppelte Eigenschaft als Emporkömmlinge und dennoch mit dem Ansprüche des alten Adels steigerte ihre Anmaßung; sie sind die trotzigen Herodianer. Als Jesus auftrat, war der religiöse Einfluß, das Ansehen im Volke bereits vollständig bei den Pharisäern, wenn auch Sadducäer und Boethusen herrschten und mit dem Regcntenhause eng verbunden waren. Bei seinem Streben nach der Erhebung des ganzen Volkes zur religiösen Gleichberechtigung hielt er sich naturgemäß an die Pharisäer; mit Sadducäern und Bcwthusen oder Herodianern hatte er nur insofern Berührung, als sie den weltlichen Arm zu ihrer Verfügung hatten, als sie Strafen über ihn verhängen konnten. Er hatte nicht nöthig, ihre religiöse Richtung zu bekämpfen, dieser Kampf war schon hinlänglich vertreten, im Volke so gut wie entschieden. Nur wenn sie an ihn herantreten, um in ihrer spöttischen Art ihn zu bestreiten, widerlegt er sie; nur ganz nebenbei lassen ihn die Synoptiker auch ein Mal vor dem Sauerteige ״Herodis" warnen, d. h. der Herodianer, wie der ältere, noch ganz in den zeitgenössischen Verhältnissen wurzelnde Marcus sich ausdrückt 8, 15, oder wie Matthäus (16, 6), dem der Sauerteig ״Herodis" in seiner späteren Zeit unverständlich war, da man von einer religiösen Sectenstellung der 3*

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