Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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34 11. Sadducäer und Pharisäer. Sie scheuten den eigenen frischen Trieb des Schaffens und Gestaltens, sie wollten nicht zugeben, daß ihre Anordnungen jung und dennoch berechtigt seien, sie behaupteten vielmehr, das sei Alles, wenn auch nicht niedergeschrieben, von alter Zeit her im Brauche gewesen, habe sich durch mündliche Ueberliefcrung fortgepflanzt. — Dies waren natürlich Grundlagen zu Willkürlichkeit, peinlicher Engherzigkeit und schiefer Schrifterklä'rung. In der Richtung der beiden Parteien liegt die naturgemäße Erklä'rung ihrer Geschichte und ihres endlichen Verlaufes. Bei der Neugründung des zweiten Staates und Tempels war der Priesteradel, und namentlich der aus der Familie Zadok's, der natürliche Vertreter, der Mittelpunkt des Volkes, um den die eifrigen Vaterlands- und Gesetzesfreunde sich enge schaartcn. Der Adel selbst erkannte diese seine Stellung, und je weniger sie angetastet wurde, um so mehr fühlte er auch den Beruf, für die Gesammtheit einzustehen. Das erhöhte seinen Einfluß, und wenn auch Ausschreitungen sich zeigten, so war das Volk doch noch zu jugendlich, um an den Versuch zu denken, daß es seine Fesseln breche. Allmälig aber erstarkte dieses; es erhob sich ein Bürgerthum, das ebenso an allgemeinem Ansehen, an Wohlhabenheit wie an Bildung wuchs, und mit ihnen wuchsen auch die Anforderungen an die herrschenden Geschlechter, die Anforderungen eigener Selbstständigkeit. Der Adel fühlte sich in seiner bisherigen natürlichen Stellung, allein das Volk zu vertreten, dessen Wille zu sein, bedroht; er suchte sich gewaltsam darin zu befestigen, er trotzte auf seine Macht, gab sich nicht Mühe, cs durch seine Würdigkeit und nützliche Wirksamkeit zu verdienen. Um so größer wurde die Unzufriedenheit im Volke, die Opposition gegen den Adel, um so mehr wurde die Berechtigung des ganzen Volkes, namentlich des inteligenten Bürgcrthums betont. Als der Druck der Syrer die ganze Selbstständigkeit des Staates, das ganze Bestehen der Religion gefährdete, suchte der Adel zu diplomatistren, während das Volk im Unmuthe gegen das Ausland wie gegen die verrätherischen inländischen Herrscher sich verbitterte. Eine schlichte Priesterfamilie machte sich zum Munde und zur Hand dieses Unwillens, sie siegte, brach die Obmacht des Auslandes, stürzte die im Innern herrschenden Familien und schwang sich selbst empor. Allein bald umgab der Adel wieder die neue Sonne der Hasmonäer, und waren die Zadokiten früher selbst die Sonne, so bildeten sie jetzt, als Sadducäer, deren Trabanten. Der Parteienkampf wuchs, gab den Pha-