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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 33

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 33 (sequence 36)
Language
German
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il Sadducäer und Pharisäer. 33 die volle gesetzliche, ja priesterliche Heiligung anstrebe. Bestritten sie daher gewisse religiöse Prärogative *0), so legten sie um so größere dem ganzen Israel Lei, das mit gleicher religiöser Gewissenhaftigkeit wo möglich auch zu priesterlicher Heiligkeit sich zu erziehen habe. Das war die Aufgabe der Genossenschaften. Dadurch entstanden aber für den gemeinen Mann starke Lebensconsticte, und die Pharisäer mußten darauf bedacht sein, dieselben auszugleichen. Sie suchten daher das Gesetz mit den Anforderungen des Lebens zu vermitteln, suchten Auswege auf, welche die aus dem Gesetze entstehenden Lasten zu erleichtern vermochten, ohne daß das Gesetz selbst aufgehoben wurde; Anfangs vorsichtig mit solchen Maßnahmen vorgehend, wurden sie mit wachsendem Einflüsse immer muthiger und consequenter. So befolgten die Pharisäer zwei höchst fruchtbare Grundsätze, die sie als gesunden Kern des Volkes erhalten mußten. Sie erhoben das ganze Volk zu religiöser Mündigkeit, hoben alle zufälligen Unterschiede auf und erkannten nur den persönlichen Werth an. Sie gingen ferner in die Bedürfnisse des Lebens, der sich erweiternden und entwickelnden Verhältnisse ein und waren bemüht, denselben die bestehenden Vorschriften anzupassen. Sie waren ebenso der gesunde Bürgerstand wie die Vertreter der religiösen Entwickelung. Allein sie blieben Ln beiden Beziehungen auf halbem Wege stehen und hinderten damit den heilsamen Einfluß dieser zwei fruchtbaren Grundgedanken, ja sie mußten dieselben verkümmern und verdrehen, so daß sie auch schädliche Einflüsse erzeugten. Das religiös bevorzugte Priesterthum wagten sie nicht an seiner Wurzel anzutasten, mußten also die ganze Aeußerlichkeit, welche mit solchem religiösen Geburtsadel verknüpft ist, dulden, ja sie mußten, um den Unterschied nicht gar zu auffallend werden zu lassen, das ganze Volk mög lichst mit jener äußerlichen Priesterheiligung belasten. — Sie waren zwar bemüht, das bestehende Gesetz dem Leben anzupassen, allein wenn sie auch allmälig sich mehr und mehr die Macht zu Aenderungen zuschrieben, so wagten sie doch nicht, unzweideutig den Grundsatz auszusprcchen und in Anwendung zu bringen, daß die Entwickelung der Zeit zu Umgestaltungen berechtige, sie suchten sich vielmehr mit dem Worte des Gesetzes abzufinden, ja ihre neuen Anordnungen in das alte Wort hineinzulegen; das gab ebenso zu halben Maßregeln wie zu einer gezwungenen Deutung des Schriftwortes Veranlassung. 10) Vgl. auch über die Priesterehen he-Chaluz V S. 74 f. Vierteljahresschrist. II. 1. 3

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