Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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׳32 11. Sadducäer und Pharisäer. als ihre Privilegien in ihm eine Duelle und eine Stütze fanden, dessen politische und religiöse Gleichberechtigung war ihnen ein Greuel. Sie mögen der Weltbildung nicht ganz fremd gewesen sein; schon ihre vornehme Stellung und ihre mit der Herrschaft nothwendigen Beziehungen zum Auslande wie zu den Oberlehensherren vermittelte eine solche. Allein ihre geistige Richtung war eine stabile; sie ver-- harrten in der bürgerlichen und religiösen Verwaltung bei der Routine, dem Herkommen, einer Entwickelung waren sie gram. Daher war ihnen jedes geistige Aufstreben des Volkes, die sich verbreitende gelehrte Bildung widerwärtig; das Bemühen, die Masse zu erheben, mit zu betheiligen an allen religiösen Gütern, die Anforderungen der Religion daher auch möglichst mit den Bedürfnissen des Lebens in Einklang zu bringen, verwarfen sie mit acht junkerhastem Hochmuthe, mit ironischer Geringschätzung. — Ihnen entgegen waren gerade die Pharisäer die Vertreter des Volkes. Ihren Grundgedanken spricht am Schärfsten der Verfasser des zweiten Buches der Makkabäer aus in den Worten: Gott habe Allen das Erbe, das Königreich, das Priesterthum und die Heiligung gegeben (2, 17)0). Sie konnten freilich diese volle Gleichstellung des ganzes Volkes mit den Priestern nicht vollständig durchführen; daran hinderte sie die Ehrfurcht vor dem geschriebenen Gesetze. Opferdienst, Eintritt in geweihte Stätten des Tempels, Genuß geheiligter Gaben mußte dem Volke untersagt und blos Sache der Priester bleiben; allein weiter als das Gesetz ihn sanctionirte, wollten sie den Unterschied nicht ausgedehnt wissen. Sie bestritten nicht blos dem Priesteradel die Berechtigung zur weltlichen Herrschaft, welche sie vielmehr einzig und allein dem davidischen Geschlechte zuerkannten und deren Wiederherstellung durch einen Sprößling dieses Geschlechtes — den Messias — sie in besserer Zeit erwarteten: auch die religiöse Bevorzugung der Priester suchten sie möglichst zu beschränken. Sie schieden sorgfältig ihre Personen von dem ihnen gewordenen Berufe; diesen erkannte» sie als heilig an, die Würdigkeit der Personen, welche Träger dieses Berufes waren, war damit nicht ausgesprochen. Die Würdigkeit sprachen sie vielmehr Jedem, auch dem Nichtpriester zu, wenn er nur 9) Auch diese fruchtbare Entdeckung, daß die beiden Bücher der Makkabäer nach verschiedenen Tendenzen abgefaßt sind, das erste in hasmonäischdynastischem, das zweite in pharisäischem Interesse, die ich erschöpfend belegt zu haben glaube, ist bis jetzt noch weiter nicht besprochen worden!