Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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1!. Sadducäer und Pharisäer. 27 wurden durch Andeutungen von Thoren, durch Balken und Ouerpfostcn zu großen Häusern mit Thoren gemacht, die dann wiederum in Verbindung traten; an das Ende der Wegstrecke, die eigentlich nur zurückgelegt werden durfte, ward eine Speise hingebracht, so daß man sich gewissermaßen dort häuslich eingerichtet denken könnte, und so mochte man von dort aus wiederum nochmals eine solche Wegstrecke zurücklegen. Das waren Umgehungen des Verbotes, aber zu solchen drängte allerdings der Kompromiß, den ans der einen Seite das feste Halten an der alten Vorschrift, auf der anderen die Anerkennung der neuen Verhältnisse und ihrer Bedürfnisse erzeugte. Die Sadducäer, unbekümmert darum, daß auch die Nichtaristokratie Weihegebräuche übe, unbekümmert um die Confticte, in die diese dadurch gerieth, hatten ein Entweder — Oder. Sich selbst gestatteten sie für die eigenen Festmahle Alles nach dem Grundsätze, daß priesterlichen Verrichtungen die Sabbathvorschrist weichen müsse; das Volk hingegen mußte sich unter die Schwere des Verbotes beugen, die Auskunst, dieses zu umgehen, verwarfen sie. Dies erzeugte allerdings dann auch Confticte. Wohnte ein Sadducäer inmitten von Pharisäern, so enthielt er sich der Vorrichtungen, welche die Pharisäer machten, störte dadurch die Raumverbindung, weil er eben die Macht dieser ideellen Verbindung nicht anerkannte, אינו מודה בערוב. Und mit ihnen stimmen wiederum Samaritaner und Karäer vollkommen überein (vgl. Mischnah Erubin 3, 2 und Gem. 31b. Mischnah das. 6, 1 und Gem. 68b. Tractat über die Samaritaner S. 32 und vielfach in Eschkhol ha-Khofer). Die alte Halachah verlangte wenigstens, daß diese ideellen Raumverbindungen doch einen starken sichtbaren Ausdruck haben, die jüngere begnügte sich mehr und mehr mit blos leisen Andeutungen. Noch eine andere Differenz ist von mir an mehreren Orten bereits besprochen (he-Chaluz V, S. 29, VI S. 28 ff., diese Ztschr. I. S. 51 f.), und es genügt, sie hier kurz zu berühren. Die Wöchnerin betrachten nämlich die Sadducäer (und mit ihnen Samaritaner und Karäer) nach den ersten sieben Tagen bei einem männlichen itnb den erstell vierzehn Tagen bei einem weiblichen Kinde noch 33 Tage lang im ersten und 66 im anderen Falle zwar nicht in dem Maße verunreinigend, wie eine Menstruirende, aber doch als unrein zum ehelichen Umgänge, da sie während dieser Zeit ja auch nichts Heiliges berühren und nicht in den Tempel gehen darf und erst nach deren Verlaufe ihre Opfer darzubringen hat (3. Mos. 12, 4 ff.).