Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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11. Saddueäer und Pharisäer. 25 die ihre gemeinsamen feierlichen Mahlzeiten, Syssitien, abhielten; die große Gesammtgenossenschast zertheilte sich da meistens in kleinere Kreise, Fratrieen, welche ihre Mahlzeiten unter besonderen Feierlichkeiten begingen (vgl. Urschrift S. 122 ff.). Natürlich feierten die Saddueäer solche Mahle ganz besonders an Sabbathen und Festtagen, und wenn es da nun nöthig wurde, daß von dem Einen oder Anderen ein weiterer Weg zuruckgelegt oder auch daß Speisen anderswoher in das Gcnossenschaftshaus gebracht werden mußten, so betrachteten sie dies gewiß dem heiligen Zwecke gegenüber, indem sie ihre Mahlzeiten als Bestandtheile des Priester- und Opferdienstes ansahen, als gestattet. Allein die Pharisäer wollten dem Priestcradel in solchen heiligenden Auszeichnungen nicht nachstehen. Lag es ja schon in ihrem ganzen Wesen, als den vom gedankenlos hinziehenden Volke ״Abgesonderten," gleichfalls eine Genossenschaft zu bilden, die sich aber nicht blos damit begnügte, durch Ausscheidüng der den Leviten und Priestern zukommenden Gaben ihre Gesetzestreue zu beweisen, nicht blos durch Beobachtung der Reinigkeitsgesetzt auch in tadelloser Reinheit zu verharren, sondern sie wollten, soweit das Gesetz nicht entgegenstand, sich zu einer größeren, der priesterlichen sich annähernden Heiligkeit emporheben. Auch ihre Genossenschasten hielten gemeinsame Mahlzeiten; konnten sie keine Hebe, keinen Zehnten, keine Opserstücke genießen, so konnten sie doch die reinigenden Vorbereitungen, die Waschungen vor der Mahlzeit, die Vorsicht, daß die Speisen selbst von dem Unreinheitsgrade frei bleiben, die nur für Priesterliches vorgeschrieben war, in Anwendung bringen und dadurch auch ihr Mahl weihen. Gebete und Heiligungen durch Sprüche beim Weine und beim Räucherwerke sollten die Feier erhöhen, zu einer religiösen gestalten. Das Passahfest gab dafür ein Vorbild. Es bot eine OpfermahlzeLL für das ganze Volk. Fratrieen von mindestens zehn Personen (Josephus jüd. Krieg VI, 9, 3) traten für ein Opferlamm immer zusammen, und wenn auch später die Zahl nicht sestgehalten wurde, so geht doch aus noch manchen Trümmern hervor, daß die alte Halachah eine solche Anzahl voraussetzte 0). ף Die Worte 2. Mos. 12, 4: Und wenn das Haus zu gering ist, um (allein) für ein Lamm auszureichen, so nehme er und sein Nachbar re., übersetzt das jerusal. Thargum: Wenn aber die Hausbewohner weniger sind ממנין עשרא, als die Anzahl von zehn, um auszureichen zum Genüsse eines