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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 1 (1863) · p. Seite 21

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
1 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 21 (sequence 24)
Language
German
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II. Sadducäer und Pharisäer. 21 der als unmündigen Waise Verheiratheten nur dann die Auflösung der Ehe durch ihren Einspruch gestaltete, wenn dieser Act noch nicht vollzogen war, und ein folgender Aufsatz in dieser Zeitschrift wird sich noch umständlicher darüber aussprechen. Die Thatsache kann nicht entschieden genug hervorgehoben werden, daß die alte Halachah noch vielfach mit dem Standpunkte des Saddueäismus verknüpft war, während die jüngere die Verbindungsfäden immer mehr durchschnitt, so daß beide, Saddueäismus und alte Halachah, einander beleuchten. Eine zweite Differenz mit weitgreifenden Konsequenzen ist he- Chaluz S. 18 ff. und Zeitschr. der Deutschen morgenl. Gesellschaft, Bd. XVI, S. 717 ff., nachgewiesen. Sie liegt in der Frage, ob nicht allein das Fleisch eines Aases, sondern auch alle sonstigen Theile desselben, wie Haut, Knochen u. s. w., durch deren Berührung verunreinigen; die Sadducäer behaupten es, die Pharisäer verneinen es, und nehmen blos außer dem Menschen noch einige Reptilien aus, bei denen Haut und Fleisch gewissermaßen eine Einheit bilden. Dies erzeugt nun die wesentliche Verschiedenheit in der Praxis, ob die Haut und andere Theile eines ungeschlachteten Thieres, also sowohl aller sonst durch Schlachten zum Genüsse tauglichen, aber nun natürlich gestorbenen, als auch aller zum Essen verbotenen Thiere, verarbeitet werden können, was wiederum Sadducäer, mit ihnen Samaritaner und Karäer (letztere suchen jedoch allmälig Erleichterungen auf) in Abrede stellen, während es die Pharisäer unbedenklich gestatten. Wie weit diese Meinungsverschiedenheit die Auffassung mehrerer Bibelstellen bedingt, ist an den a. O. nachgewiesen; die Samaritaner übersetzen die Stellen, wo das ״Essen" des Aases verboten wird, geradezu so, als wäre das Abziehen der Haut verboten, um ihre Ansicht in die Bibel hineinzutragen. Andererseits nehmen sie das Wort 3 ,נבלה. Mos. 7, 24, wo ausdrücklich gesagt ist, das Fett einer ״Nebelah" sei zwar nicht zum Essen, wohl aber zum Verarbeiten verstattet, nicht als wirkliches Aas, sondern als ein diesem Zustande nahegekommenes Thier, das so schwach ist, daß es bald verenden müßte, das man aber rasch vor seinen letzten Augenblicken schlachtet. Durch das Schlachten wird es nun nach Samaritanern und Karäern — was unbedenklich auch als Ansicht der Sadducäer aufgestellt werden darf — zwar nicht zum Essen erlaubt, aber es wird nicht als Aas in dem Sinne betrachtet, daß Fleisch und andere Theile unrein und verunreinigend sind, es darf daher Alles von ihm verarbeitet werden. Die Pharisäer hingegen haben gar keine Veranlassung, in diesem

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