Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16 II. Sadducäer und Pharisäer. Berichterstatter, dessen heitere Darstellung der bisherigen christlichen Auffassungsweise über Wesen und Differenz des Sadducäismus und Pharisäismus wir eben angeführt haben, mit dieser Ansicht als einer grundlosen bricht und sich vollkommen mit der von mir begründeten einverstanden erklärt, wenn er auch bei manchem Punkte sich etwas vorsichtig ausspricht. Manches noch übersieht. Es ist von großer Bedeutung, daß die Ansichten in christliche Kreise eindringen und dort zu erneuten ernsten Forschungen anregen. So schwer zugänglich dem christlichen Gelehrten die dafür zu durchforschenden Quellen sein mögen, so wird bei dem Ernste der deutschen Wissenschaft, sobald die Wichtigkeit der Resultate für die Entstehung und die erste Zeit des Christenthums erkannt wird, wie der genannte Berichterstatter sie hervorhebt, cs nicht an Männern fehlen, die mit aller Unverdrossenheit die Mühe nicht scheuen werden. Vorläufig wird es von Nutzen sein, zu hören, wie Hr. H—h die neue Anschauung in sich aufnimmt und zu seinen Zwecken verarbeitet, zu zeigen, worin er noch wankend ist, und schließlich durch einige neugewonnene Ergänzungen das Bild der beiden Parteien schärfer zu zeichnen. ״Es läßt sich," sagt Hr. H—h, ״die neutestamentliche Zeit nicht verstehen ohne ein bis auf das Einzelnste sich erstreckendes Verständniß des jüdischen Wesens in jener Periode. Dieses Verständniß ist aber ganz hauptsächlich aus der älteren talmudischen Literatur zu gewinnen, die bis jetzt nur unsere Rabbinen mit Leichtigkeit zu manipulircn verstehen. Wir werden daher zur Füllung einer sehr wesentlichen Lücke ihrer nicht entrathen können; sie zu ignoriren, wie. . . allenthalben geschieht, ist nachgerade unmöglich geworden." Das Bild, das man sich von den jüdischen Secten gemacht habe, sei ein ganz verzerrtes, weil die christliche Historie, welche die Typen vererbt, durch Josephus und die Synoptiker allein berathen worden. Die Schilderungen des Josephus färbten aber alle heimischen Verhältnisse ins Griechische, seine Eitelkeit veranlaßte ihn, den Römern gegenüber eine nationale Bildung zu affectiren, die nicht bestand, und dann hatte er das Bestreben, seinem heidnischen Publicum die jüdischen Verhältnisse in einem Zusammenhänge darzustellen, wie er dessen Erfahrung geläufig war. Jesu Reden in den Evangelien aber seien Volksredcn, die dem practischen Zwecke dienen, die Auswüchse des Parteiwesens zu geißeln, keineswegs dem historischen, uns über die wahren Ziele der Parteien aufzuklären. ״Die Evangelien haben gewisse Typen überliefert; die Späteren führten die Andeutungen Ln