Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 ll. Sadducäer und Pharisäer. wenn man über Kara'er das Abenteuerlichste vorbrachte, ohne den richtigen Anknüpfungspunkt zu erkennen, und über Samaritaner — nach wie vor Nichts wußte. Die Differenz zwischen Sadducäern und Pharisäern, deren Entstchung und tieferer Grund, ist freilich eine Frage, die auf jüdischer wie christlicher Seite in ihrer hohen Bedeutung niemals unbeachtet bleiben kann, und bei der bisher ungenügenden Lösung der vielen in ihr liegenden Schwierigkeiten bietet sie den Antrieb zu immer erneuter Untersuchung. Auf jüdischer Seite ist dennoch seit 1857, d. h. nach dem Erscheinen meiner ״Urschrift," die Frage nicht wieder anfgenommen worden, da sämmtliche neuere Geschichtswerke, die von Herzfeld, Grä'tz und Jost, insoweit sie den in Rede stehenden Zeitabschnitt besprechen, jenseits der Zeitgrenze von 1857 liegen, und wenn auch die jüdische Geschichtschreibung niemals sich ganz über den Charakter des Pharisäismus täuscheu ließ, die Pharisäer niemals als Scheinheilige und Heuchler brandmarkte, so war sie doch über Entstehung und Grundwesen desselben zu keinem sichern Resultate gekommen, und der alten Halachah abweisend und nur dem der neuen Raum gönnend, aucb die ismaelitische Schule gänzlich ignoriren, wenn sie auch Jsmael selbst nicht geradezu beseitigen können (vergl. bes. S. 153, 158, 435 u. sonst). Dieser auffallenden Thatsache konnte sich Frankel bei der Bearbeitung seiner דרכי המשנה (Hodegetica in Misclmam. 1859.) nicht verschließen, ja er weist ausdrücklich darauf hin, daß Joschiah und Jonathan, die allein namentlich als Schüler Jsmael's bezeichnet werden (Menachoth 575), unzählige Male in Mechiltha und Sisre Vorkommen, hingegen niemals in Mischnah, Thoßeftha und Sifra (vergl. a. a. O. S. 146 ff.). Statt diese Erscheinung an die anderen anzuknüpfen und darauf zurückzuführen, daß die beiden ersten Werke ursprünglich auf Grund der alten Halachah angelegt waren, die drei letzteren ausschließlich die jüngere vertreten und daher absichtlich die Ansichten der ismaelitischen Schule verschweigen, sucht Fr., obgleich er zugeben muß, daß Mech. vollständig, Sifre theilweise ״in Jsmael's Lehrhause" geordnet worden, den Grund der Verschweigung in den andern Büchern darin, daß sie — Nichts von den Ansichten der ismaelitischen Schule erfahren hätten, weil diese im Süden Palästina's geblüht, jene Bücher aber im Norden abgefaßt worden! Glaubt man wirklich damit den Thalmudismuö zu stützen, wenn man seine Richtung durch zufällige räumliche Hindernisse, die übrigens blos erträumt sind, bestimmen läßt? Ist es nicht ebenso natürlicher wie ehrenvoller für ihn, wenn er uns die Ueberwindung einer älteren Richtung durch eine neuere darstellt, die im geistigen Entwickelungskampfe als siegreich hervorging? Hier erkennen und ehren wir geistiges Leben, nach jener Erklärungsweise hat zufällige Willkür, räumliche Aeußerlichkeit die Entscheidung gegeben.