Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Dr. Alexander Haindorf. 7 Amte waren, ihn gelegentlich besuchten, was häufig geschah, aus Dankbarkeit und Verehrung, die sie ihm immer bewahrten. — Zu großer Freude mußte es dem Dirigenten gereichen, daß nicht nur die Leistungen des Seminars und der damit verbundenen Volksschule öffentlich Anerkennung fanden, sondern auch die aus der Anstalt hervorgegangenen Lehrer überall segensreich wirkten, und deren Schulen vielfach als die vorzüglichsten von den Inspektoren gerühmt wurden. Zum großen Theile muß dies den Lehrern der Anstalt selbst zugeschrieben werden, denen der Dirigent, wo es nur anging, ziemlich freie Hand ließ. Denn Haindorf war nicht Schulmann von Fach, wenngleich derselbe auch Unterricht ertheilte. Er übernahm selbst nur diejenigen Fächer, denen er als Arzt schon nahe stand, nämlich Naturgeschichte und Naturlehre, und daneben auch Declamatorik. Doch leitete er die Conferenzen der Lehrer und wohnte sehr häufig deren Unterricht bei, sogar in den frühen Stunden während des Sommers. Gleich im Entstehen der Anstalt unterrichteten neben jüdischen Lehrern auch mehrere christliche, und dies ist geblieben bis heute. Hierzu nöthigten schon die pecuniärcn Verhältnisse des Vereins; denn theils ertheilten diese den Unterricht gratis, wie Annegarn, Verfasser einer Weltgeschichte, der Divifionsprcdiger und spätere Eonsistorialrath Daub, Verfasser der ״Stimmen aus der Tiefe", und der Dirigent der Taubstnmmen-Anstalt Dr. Weidner, theils beanspruchten sie kein größeres Honorar, weil sie schon anderweitig Anstellungen hatten. — Fragt man nun nach der religiösen Richtung Haindorfs, so beachtete er für seine Person die religiösen Ceremonien wenig, wohnte aber in frommer Andacht häufig dem Privatgottesdienste der Anstalt bei, und suchte er seine Ansichten durchaus nicht Ln der Anstalt zur Geltung zu bringen, sondern lebte mit dem streng religiösen Oberlehrer Cohen, der hauptsächlich das Religionsfach und das Hebräische lehrte, auf dem freundschaftlichsten Fuße. Dagegen betonte er überall die Religion der guten Gesinnung und der That, die in ihm selbst ja so wirksam sich zeigte, und die überall sich die erste Geltung zu erringen weiß und schließlich alle Herzen bezwingt. Daher schätzten und ehrten ihn selbst diejenigen, welche der strengsten Orthodoxie huldigten. Denn Niemand mochte einem Manne die Hochachtung versagen, dessen Leben sich als eine einzige religiöse Handlung darstellte, die das Wohl seiner Glaubensgenossen zum Ziele hatte und deren Triebfeder der Gedanke jenes Philosophen war: ״daß es allein