Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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6 1. Dr. Alexander Haindorf. in welcher derselbe bei den höchsten Behörden und seinen Glaubensgenossen stand, nicht wenig zu Hilfe kam. Das Wohl der Anstalt, die er gegründet, beseelte ihn ganz und wußte er durch seine ganze Persönlichkeit auf Andere mächtig einzuwirken, selbst auf solche Manner, die im Leben eine hohe Stellung einnahmen oder in wissenschastlicher und geistiger Hinsicht über ihm standen. Es war sein tief im Innern ruhender sittlicher Fond, die hohe Idee, welche in ihm lebte, der feste Glaube an die edle Menschennatur, das lebendige Mitgefühl mit der leidenden Menschheit, die Alles bezwangen, wo er persönlich auftrat und wirkte und ihm die höchste Achtung und Zuneigung erwarben. Diese Hochachtung verlor indeß nichts durch den täglichen Umgang; vielmehr betrachteten ihn Lehrer und Schüler, die ihn täglich, auch wenn er nicht selbst Lehrstunden zu ertheilen hatte, in der Schulanstalt sahen, immer von Neuem mit Ehrfurcht und Liebe. Letztere inspicirte er häufig, sowohl in den Frühstunden wie spät Abends, um sich von ihrem Fleiße und der geregelten Ordnung zu überzeugen. Mit der Milde, mit welcher er zu diesen redete, verband er aber auch Ernst und Energie, wenn es nöthig war, und entging seinem scharfen Auge nicht so leicht eine Unordnung oder Ungehörigkeit, wie er denn auch ein ziemlich guter Menschenkenner^) war; obwohl er auch oft getäuscht wurde und Undank erfuhr, gleichwohl schlug er nicht sobald eine Bitte ab, wo er helfen konnte. Vorzüglich schätzte er die talentvollen Köpfe, und sah man ihm deutlich die innere Freude an, wenn er Schüler gewahrte, die sehr gute Fortschritte machten. Diese vergaß er auch sobald nicht. Auch sa^ er es gern, wenn die früheren Schüler, welche schon im ף Zur weiteren Charakterisirung möge noch folgende Bemerkung hier ihren Platz finden. Wo dem, bei hingebendster Aufopferung, rastlos in Beförderung des Guten strebsamen Haindorf Heuchelei oder Scheinheiligkeit, hinter denen der Eigennutz und die Selbstsucht sich versteckt hielten, begegneten, da wußte er gutmüthig-schalkhaft in treffendem Witze sich zu äußern, und scheuete er sich öfter auch nicht, an den Betreffenden selbst in solcher Weise seine Rede zu richten, auch dann, wenn dieser ein sonst wiffenschaftlich gebildeter Mann war. Man ward ihm aber doch nicht darüber gram, weil Gutmüthigkeit und Nachsicht ׳ als Grundzüge seines Charakters dabei durchleuchteten und keine Bitterkeit sich in seine Worte mischte. Uebrigens achtete er die Männer der Wissenschaft und Kunst hoch. Er hatte sie gern bei sich, liebte die Unterhaltung mit ihnen und ließ sich gern durch sie zu geistigem Genüsse anregen.