Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
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1. Dr. Alexander Haindorf. 5 Eine gute Grundlage zur Sicherung des Vereins ward im Jahre 1835 gelegt durch die großartige Schenkung des Schwiegervaters des Dirigenten, Rentners C. Marks in Hamm, mit einem Kapitale von 25000 Thlr., wovon die Zinsen mit 4 Proc. dem Vereine von da ab alljährlich zuflossen. Andere Private folgten diesem hochherzjgen Beispiele in letztwilligen Verfügungen mit freilich geringeren Beträgen, und wäre nur sehr zu wünschen, daß noch mehr, als dies bisher geschehen, die Anstalt durch ähnliche Schenkungen edler Glaubensgenossen, denen das Herz warm für ihre Mitbrüder schlägt, für die Zukunft gesichert würde. Denn wie segensreich diese Anstalt bis jetzt gewirkt hat, geht daraus hervor, daß durch sie 200 Lehrer und über 300 Handwerker ausgebildet worden sind. Wie viele Thränen hat sie nicht dadurch getrocknet; wie viele Jünglinge einem ehrenvollen Berufe zugeführt! Wie sehr ist nicht durch sie direct und indirect Bildung und Gesittung unter den Israeliten Westphalens und Rheinlands verbreitet worden! Kaum existirt eine Stadt, namentlich in Westphalen, die nicht einen in dem hiesigen Seminare ausgebildeten Lehrer hat oder hatte, und die Gesuche um solche können nicht alle befriedigt werden, so sehr wird das Bedürfniß derselben empfunden. Zum Theil lag die Unmöglichkeit der steten Befriedigung dieser Gesuche darin, daß nicht immer, der Zeitverhältnifse wegen, eine große Zahl von Lehrerzöglingen zur Aufnahme sich meldeten. Erfreulich ist es daher, daß in den letzten Jahren die Zahl der Zöglinge so sehr zugenommen, daß viele Anmeldungen nicht sogleich berücksichtigt werden konnten, da das gegenwärtige Local eine Beschränkung gebietet. Während der erste Zweck des Vereins, arme jüdische Jünglinge dem Handwerk und den Künsten zuzusühren, allmälig in den Hintergrund getreten, indem die allgemeinen Verhältnisse sich für diese Erwerbszweige im Laufe der Zeit den Jsraeliten günstiger gestaltet haben, ist der andere Zweck, die Ausbildung von Volkslehrern, mehr und mehr in den Vordergrund getreten, und ist es nur das jüdische Lehrerseminar, welches Münster eine höhere Bedeutung für die Israeliten der beiden westlichen Provinzen verschafft hat. Wir haben aus dem Geschilderten unschwer erkannt, daß der Haupthebel zur Erzielung so großer und schöner Erfolge der rastlos thätige Haindorf war. Nur einem Manne, wie er es war, der Ln werkthätiger Liebe für seine Mitbrüder erglühete, konnte ein solches Werk gelingen; wobei ihm sein Beruf als Arzt und die Achtung,