Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Protest. Kirchenzeitnng. 77 irrt, müssen Luther und Melanchthon kommen, um die eingeschlichenen Mißbräuche zu beseitigen, und wenn das durch sie noch nicht genug geschehen oder Hengstcnberg u. A. zu viel Macht im preußischen Staate gewonnen, so müssen die Herren Krause und Maaß kommen, um diese Macht zu brechen. Sonst aber sind alle Grundlagen seit 18 Jahrhunderten gelegt. Daß eine „Unbefriedignng^ mit dem Christenthume der Herren Krause und Maaß cintreten könne, ja daß das religiöse Bewußtsein längst darüber hinausgeschritten, sich umgestaltet und vertieft habe und selbst dann, wenn es sich noch als christliches bekennt, nur den Anknüpfungspunkt im Christenthume aufsuche, keineswegs aber sich mit demselben identisch weiß, kurz daß das Christenthum ein wichtiger geschichtlicher Factor gewesen, zum Theile noch sein mag, viele andere geistige Factoren aber neben ihm gewirkt nnd das Culturleben, mit ihm auch das religiöse, zu einer höheren Stufe emporgehobcn — davon scheinen diese Herren gar keine Ahnung zu haben, oder sie wollen sie nicht haben. Ich versichere es Herrn Maaß, daß die etwa unbefriedigten „Gebildeten und Denkenden unter den Israeliten der Gegenwart" nimmermehr „festes Erdreich" erblicken werden in dem Glauben an die ausschließliche Gottessohnschaft Jesu, in dem an die Dreieinigkeit, an die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, was ihnen jährlich das Osterfest, und an die Gabe, welche den Aposteln geworden, in fremden Zungen zu reden, was ihnen jährlich das Pfingstfest einprägen soll. Wenn ich die zwei letzten Punkte aus so vielen andern besonders hcrvorhebc, so geschieht es, weil Herr M. die vorausgesetzte „Unbefriedigung der Gebildeten und Denkenden unter den Israeliten der Gegenwart" gerade auf die jüdischen Feste gründet. Das Judenthum bietet die fast einzige Erscheinung dar, daß es Feiertage hat, welche btos im religiösen Gefühle ihre Begründung haben; es sind Dies der Sabbath, der Neujahrs- und der Versöhnungstag. Den Sabbath hat Christenthum nnd Islam dem Jndenthum entlehnt, jedoch mit Verschiebung des Tages. Daß das bürgerliche Leben die Feier des jüdischen Sabbath sehr beeinträchtigt, ist eine traurige Tbatsache, die nicht abgeleugnet werden kann und soll; der „denkende" Jude wird sich aber sagen, daß hier nicht eine Mangelhaftigkeit seiner Religion, nicht ein Zurückbleiben derselben an Bildung und religiöser Vertiefung diesen Conflict verschuldet, sondern das Machtgebot einer entgegenstehendcn Majorität, welche früher willkürlich den Sabbath auf den Sonntag verlegt hat, dann allen Staatsangehörigen die Feier