Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Journal-Revue. zeitung auf durch die Urthcile, welche sic von Zeit zu Zeit über die Fortschrittsbestrebungen im Judenthum veröffentlicht. Dieser Mission der Engherzigkeit unterzieht sich mit besonderer Vorliebe Herr M. Maaß, derselbe, welcher im Jahre 1857 meiner Brochüre „Ueber den Austritt aus dem Judcnthume" seine „Gespräche" entgegensetzte, deren Gehaltlosigkeit ich damals in einer zweiten Brochüre hinlänglich nachgewicsen habe. Neuerdings sieht er sich wieder veranlaßt, in Nr. 46 der genannten Zeitung uns Belehrungen zu geben in einem Aufsätze, der den langathmigen Titel führt: ,,Können die gegenwärtig bestehenden Reform-Cnlte noch immer als der entsprechende Ausdruck des religiösen Bewußtseins der Gebildeten und Denkenden unter den Israeliten geltend Eine Anfrage an diese Letzteren." Der Schluß dieses Aufsatzes offenbart die Absicht und danach dessen ganzen Gang. Die Worte lauten: „Soviel seö nur vorläufig gesagt, daß wie die Unbefriedignng mit den Zuständen der alten Synagoge zur Einrichtung der Ncform-Cultc geführt hat, so auch die Unbesriedigung mit diesen Neform-Culten die Gebildeten und Denkenden unter den Israeliten der Gegenwart nothwendig wieder einen Schritt vorwärts führen muß. Die En twi ck'elu ngs g eschichte der Menschheit hat aber schon dafür gesorgt, daß dieser Schritt sofort festes Erdreich berühre und nicht Gefahr laufe, zu einem bedenklichen Sprunge in den bodenlosen Ocean der Unbestimmtheit zu werden". Habt ihr es nun gehört, die ihr an der „Unbesriedigung" leidet, welche Herr Maaß sachlich wie sprachlich erfunden hat? Er deutet es euch „vorläufig" leise au, in etwas gewundenen Kanzelausdrücken; ihr versteht ihn aber doch schon: ihr werdet, ihr müßt Christen werden. Einen andern Ausweg giebt cs nicht; Christen, und zwar protestantische, unionistische, sonst bleibt ihr für alle Ewigkeit und bei allen Versuchen in der „Unbesriedigung" stecken. Es giebt kein größeres Armuthszeugniß als das, welches sich die sog. fortschreitende Partei im Protestantismus mit der unermüdlich wiederholten Behauptung ausstetlt, daß die Entstehung des Christentums der Zielpunkt der ganzen vorhergehenden Weltgeschichte gewesen und mit ihr in gewissem Sinne der Abschluß erfolgt sei, das religiöse Leben nun seine unabänderlichen Normen für alle Ewigkeit erhalten habe, die Weltgeschichte nun weiter Nichts zu thun habe, als das Christenthum in die Welt einzubilden, eine weitere Entwickelung unmöglich sei. Nur wenn die Welt mißbräuchlich davon ab-