Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grätz: Vlumenlese. 71 zeiungen entlehnt sind, und in Büchern, die in seinem Gusse gegossen." Was soll dieser Nonsens bedeuten? Oder in der Mitte: ושרר אחרי הרב עמקים בלב ולב ובדברים הלקים ״Und grabe nach dem Lehrer Thäler (Vertiefungen) mit doppeltem Herzen (d. h. mit Falschheit) und glatten Worten". תהי אחרית שפתים אש וגפרית בלב אהד אנחנו במיוחד ״Es sei das Ende der Lippen Feuer und Schwefel, einen Herzens sind wir im Geeinten". Oder gar der herrliche Schluß: יהי צלם זכות הרב משולם אזי יובל נשיא עמך ותובל להשיב לאמת עוללים ויונקים לאחינו ומלכיהם בזיקים: ״Es sei ihr Schatten die Frömmigkeit des Rab Meschullam, dann wird herbeigeführt der Fürst Deines Volkes und Du wirst herbeigeführt, um zur Wahrheit zurückzubringen Kinder und Säuglinge nnseren Brüdern, und ihre Könige in Fesseln". So geht cs das ganze Gedicht hindurch, ein jeder einzelne Vers ist mehr Blödsinn als der andere. Der Herr Herausgeber muß dennoch, wie schon die Ueberschrist zeigt, einen Sinn hineingelegt haben, ja er macht bei einem Verse ein Fragezeichen, also nur da ist ihm etwas aussallend, bei einem andern macht er eine kleine Correctur, er setzt לו) statt ולי. Er hat also das Gedicht verstanden, und ich bin in der That begierig, wie er es wohl den ״reifen Hörern" erklärt haben mag. — Dem Kenner des Versbaues muß aber außer dem ganz sinnverwirrenden Gerede auch die Form auffallen. Solche Gedichte (Kassiden) bestehen aus längeren Versen (Beiths), die sämmtlich einen durchgehenden Reim haben; ein jeder Vers ist ferner in zwei Vershälften (Thüre und Schließer) zerlegt, aber die erste Vershälfte (die Thüre) reimt nicht mit, blos im ersten Verse hat auch die erste Hälfte denselben Reim. Wie uns aber dieses Gedicht hier vorgeführt wird, findet sich der Reim (nämlich קים) blos alle zwei Verse, und schon dem angeführten ersten, ebenso dem vorletzten und so jeder ungeraden Verszeilc fehlt der Reim; hingegen reimt im zweiten, vierten u. s. w. wie auch letzten auch die erste Vershälfte mit. Das ist etwas ganz Abnormes! Um dieses Räthsel zu lösen, schlagen wir die Quelle nach, der Herr Dr. Grätz das Gedicht entlehnt hat, nämlich Ozar nechmad II. S. 84. Da finden wir, daß Dukes, der dieses Gedicht dort mittheilt, die beiden Vershälfte» eines Verses nicht neben-