Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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Grätz: Vlumenlese. 69 auch wenn von den besten Dichtern erzeugt, keinen rein poetischen Werth haben (!), und theils weil sie leicht zugänglich sind. Nur mit der liturgischen Partie des Jose ben Jose glaubte ich eine Ausnahme machen zu müssen, weil sie ein Uebergangsstadium charakterisirt." Nun läßt sich freilich über Plan und Anlage der Blumenlese streiten. Warum ist das dreizehnte Jahrhundert als der Endpunkt für dieselbe festgestellt? Hat auch die spanische Schule mit diesem Zeitpunkte einen Stillstand erfahren, so trat doch später Immanuel in Rom auf, und ihm folgten viele italiänische Dichter, entwickelte sich am Ende des vorigen Jahrhunders eine neue Regsamkeit auf dem Gebiete der neuhebr. Poesie durch Hartwig Wessely in Deutschland und Polen, die noch fortwuchert, und auch manche Leistung aus dieser Zeit dürfte nicht ganz übergangen werden. Auch die völlige Ausschließung der liturgischen Dichtungen ist nicht genügend motivirt. Es giebt darunter vortrefflich gedachte und ausgedrück'te, und gerade diese finden sich meistens nur in wenig zugänglichen gedruckten odergar handschriftlichen Ritualien, verdienten also von diesem Gesichtspunkte aus weit eher Aufnahme als die ohne alle Entschuldigung S. 97 f. wieder abgcdruckte Zionide Juda Ha-Levi's, die in allen nicht blos spanischen, sondern auch deutschen und polnischen Ritualien sich findet, ja sogar in den neuesten Gebetbüchern, die sonst sehr karg in der Aufnahme von Piutim sind, wie z. B. in dem meinigen (1854), nach dessen Neccnsion, wie ich sie nach Handschriften berichtigt habe, sie hier stillschweigend ausgenommen wird. Jedoch über solche Dinge wird immer Verschiedenheit der Ansicht walten und wir haben uns blos an das zu halten, was der Herausgeber wirklich giebt. Daß auch nach der zeitlichen und inhaltlichen Beschränkung, die dem Sammler nun einmal beliebt hat, in diesem verhältnißmäßig kleinen Raume nicht „alles Lesenswcrthe der neuhebr. Poesie" enthalten sein kann, wie derselbe verspricht, ist ganz natürlich; es fehlt vielleicht gerade im Gegentheile das Werthvollste. Doch auch darüber mag inan Weggehen. Das aber darf und muß verlangt werden, daß die Sammlung, wie sie nun einmal vorliegt, brauchbar sei, und Dies muß leider nach vielen Beziehungen in Abrede gestellt werden. Was sollen zuvörderst die „Freunde der neuhebr. Literatur", die sich hier mit diesen Stücken bekannt machen sollen, mit zum Theile sehr schwer verständlichen Dichtungen anfangen, wenn dieselben nicht einmal vocalisirt und nicht mit der geringsten Erklärung versehen sind? Nur ein Stück, das Luzzatto