Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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111. Die Levirats-Ehe. 31 kommt mm der Thalmudismus zu dieser Kette von Annahmen, die ihm auf seinem Standpunkte nur Schwierigkeiten machen, und zu denen er durch Nichts gezwungen wird? Diese Frage erledigt sich nur, wenn wir als den alten Standpunkt anerkennen, daß die Levirats-Ehe nur dann stattfindet, wenn die Frau zwar gültig äugetraut, mit ihr aber der eheliche Umgang noch nicht gepflogen war. Daß nun auf Schelah die Levirats-Pflicht gegen das Weib seines Bruders Onan geruht habe, ist darin begründet, daß von diesem wirklich ausgesagt wird, er habe den ehelichen Umgang mit Thamar gemieden; wieso ruhte aber auf Onan selbst die Levirats-Pflicht gegen das Weib seines Bruders Er, wenn dieser mit Thamar den ehelichen Umgang gepflogen? Nothwendig muß demnach auch Er denselben vermieden haben, und aus dieser Annahme, die nunmehr ihre volle Berechtigung hat, fließt dann alles Uebrige mit vollster Consequenz. Wir haben keine Bibel-Commentaxe von alten Samaritancrn, nicht einmal von alten Karäern, die uns darüber belehren könnten, ob sie wirklich Er's Verfahren in diesem Sinne auffaßten, während jüngere Samaritaner und Karä'er — wie weiter erörtert werden wird — den ganzen Gegenstand anders behandeln; allein der innere Zusammenhang der Ansichten ist so offenbar, daß wir nach Anleitung der thalmudischen Ueberliefcrungen gar keinen Zweifel darüber zu hegen haben. Ebenso wissen wir nicht, ob dadurch veranlaßt, die alten Samaritaner sowie auch Sadducäer und alte Halachah den unnatürlichen ehelichen Umgang ernster als Sünde und strafwürdig behandelt haben; doch bestätigen auch hier Ueberlieferungen, daß eine solche entschiedenere Verwerfung desselben ehemals bei den Juden festgestanden habe, und auch die Karä'er nahmen es ernster damit"). So fehlt es denn nicht an bestätigenden Mittheilungen, daß שנאמר ודבק ולא שלא כדרכה. Diese Aufstellung ist jedoch Raba sehr auffällig, da ja ein solcher Umgang bei dem Israeliten gar nicht bestraft werde, bab. Gern. das.: מיחייב (b. h. 5מי איכא מידי דישראל לא מחייב וכותי (גוי daß er dem Israeliten nicht verboten sei, weisen die Lhoßafoth zu Iebamoth a. a. O. noch aus anveren Stellen nach, nur als unanständig bezeichnet es Sanhedrin 100b: אורח ארעא קא משמע לן דלא ליבעול שלא כדרכה. *) Die Sunna Nr. 460 berichtet, die Juden hätten behauptet, der eheliche Umgang dürfe nicht auf unnatürlichem Wege geschehen, darauf habe Mohammed im Koran II., 222 entgegnet: ״die Frauen sind euch ein Acker bestellet ihn wie ihr wollt".