Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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HI. Die Levirats-Ehe. 29 mitielnde Glied zwischen beiden oder vielmehr als deren gemeinschaftliche Quelle die Sadducä'er betrachten. Aber auch ein Bericht, der dem ersten Anblicke nach das Gcgenthcil anzugeben.scheint, dürfte bei genauerer Betrachtung dafür sprechen, daß auch die Sadducä'er die Levirats-Ehe beschränkten. Die harmonistischen Evangelien nämlich (Matth. 22, 23 ff. Marc. 12, 18 ff. Lucas 29, 27 ff.) erzählen, die Sadducä'er, die da halten, cs sei keine Auferstehung, hätten Jesus folgende Frage vorgelegt: Wenn unter sieben Brüdern der erste ein Weib gehcirathet habe und kinderlos verstorben sei, der andere Bruder nun die Schwagcrehe an ihr vollzogen habe, aber auch dieser sei wieder kinderlos verstorben, so daß nun der dritte die Schwager- Ehe vollzogen und so fort bis zu dem siebenten, wodurch nun die Frau das Weib aller sieben Brüder gewesen sei, wessen Weib sie dereinst in der Auferstehung sein werde? Der Spott, welcher in dieser Frage liegt, soll allerdings vorzugsweise den Glauben an die Auferstehung treffen, und wiederum ist cs die Absicht der Evangelisten, zu berichten, wie Jesus gerade diesen Spott in seiner Hohlheit und diesen Glauben in seiner lauteren Auffassung nachgcwiesen habe. Allein mich dünkt, daß der Spott noch nebenbei die Auffassung der Pharisäer über das Gesetz der Levirats-Ehe treffen sollte. Die Sadducäer wollen sagen: Bei unserer Anwendung der Levirats-Ehe, wonach sie auf die blos angetrante Frau beschränkt ist, ist überhaupt, abgesehen von der großen Seltenheit eines Todesfalles mitten inne zwischen der feierlichen Antrauung und dem ehelichen Umgänge, zumal mehrere Male hintereinander bei demselben Weibe, — abgesehen hiervon ist überhaupt das Verhältnis) des Weibes zu ihrem letzten Manne, der ihr ehelich beigcwohnt hat, ein weit engeres als zu dem oder den früheren, die sie sich blos angetraut hatten, ohne noch ehelichen Umgang mit ihr zu pflegen. Gesetzt demnach, es gäbe eine Auferstehung — was wir in Abrede stellen —, so würde dann, wenn das Weib wieder mit allen Brüdern lebendig zusammen wäre, es natürlich die Frau des letzten sein, der allein im ersten Leben mit ihr ehelichen Umgang gepflogen. Nach der Ansicht der Pharisäer jedoch (denen sie auch Jesus znzählten) findet die Levirats-Ehe statt, auch wenn der kinderlos Verstorbene mit der Wittwe ehelichen Umgang gepflogen, sie ist demnach aller Brüder Frau im ersten Leben gleichmäßig gewesen, und das Bedenken würde dann in der Auferstehung, die ihr glaubt, wem das Weib denn eigentlich angehöre, sehr entschieden hervortreten. Diese Art des dialektischen Kampfes