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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 24

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 24 (sequence 27)
Language
German
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24 m. Die Levirats-Che. Ansiedlern theilen mußten, da konnte die alte juda'ische Anschauung von der geschlossenen Familie und deren Besitz nicht mehr lebendig sich erhalten. Freilich war unterdessen der Pentateuch zu einem einheitlichen Ganzen geworden, und die Gesetzgebung des Deuteronomium hatte in ihm umsomehr ihre volle Gleichberechtigung, als nun das judäischc Ucbergcwicht für die Dauer feststand. Man hätte nun glauben sollen, die Levirats-Ehe wäre nun als zwingendes Gesetz gesichert gewesen; allein die Lebensbedingungen, die ihm zu Grunde lagen, waren vollständig umgestaltet, so daß cs in der ersten Zeit des zweiten Tempels gar nicht in Brauch gewesen zu sein scheint. Darauf deutet eine auffallende Auslassung, die sich der Chronist erlaubt. Indem dieser nämlich (I., 2, 2 ff.) aus L Mos. 38 die Urgeschichte des Stammes Juda entlehnt, berichtet er zwar, daß Juda zuerst drei Söhne, Er, Onan und Schelah, gehabt, daß Er gestorben (wörtlich aus! Mos. 38, 7), daß Juda mit seiner Schwiegertochter Thamar noch Perez und Serach gezeugt, aber gerade das Mittelglied, daß auch Onan, weil er den Zweck der Levirats-Ehe vereitelt, frühzeitig sterben mußte, übergeht er. Kann Dies zufällig sein? Mußte er nicht ebenso wie den Tod des Er auch den des Onan seinem Originale entnehmen, mußte er nicht, da er nicht blos die ihm wichtigeren Nachkommen von Perez und Serach, sondern auch die von Schelah angiebt (4, 2!), sich gedrungen fühlen, den Tod Onan's zu melden, so daß sein Stillschweigen über dessen Nachkommen erklärt werde? Diese Auslassung kann demnach nur eine absichtliche sein. Da nämlich der Tod Onan's eben auf die Unterlassung der Levirats-Ehe zurückgeführt wird, diese aber damals außer Brauch gekommen war, so hielt er es für zweckmäßiger, das Ganze zu übergehen. Je fester jedoch die Bibel abgeschlossen wurde, umsomehr wurde auch die Gesetzgebung des ganzen Pentateuch nicht mehr als eine flüssige, aus den Sitten und Anschauungen des Volkes entsprungene betrachtet, die mit geänderten Lcbensverhältnisscn auch ihre Umgestaltung erfahren könne und müsse, sondern als ein für allemal gegeben, die eingeführt werden müsse selbst bei widerstrebenden Lebensverhältnissen. Der Levirats-Ehe waren zwar die Bedingungen der streng mit ihrem Besitze sich abschließenden Familie als Grundlage entzogen; allein cs stand also geschrieben und sollte beachtet werden. Da mußten nun zuerst die Widersprüche in den vereinten verschiedenen Elementen der Gesetzgebung gelöst werden. Wenn das Erbrecht in

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