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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 22

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 22 (sequence 25)
Language
German
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22 IN. Die Levirats-Ehe. und zwar in noch ausgedehnterem Maße. Ruth, die nicht einmal einen Schwager mehr hatte, mit dem sie sich vermählen konnte (1, 11 ff.), wird in ihrem Vertrauen, daß doch ein naher Verwandter mit ihr die Familie erhalten werde (3, 0), nicht getäuscht, und nachdem ein näherer Verwandter, der das Vorrecht hatte (3, 12 f.), nach anfänglicher Einwilligung diese Uebcrnahme der Erhaltung ablehnte, tritt Boas ein, um allen Besitz des Elimclech, Vaters des Khiljon und Machlon, und Ruth, die Wittwe des Machlon, zu erwerben, „um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbe zu erhalten, damit nicht vertilgt werde der Name des Todten von seinen Brüdern" (4, 1 ff). Alle Anwesenden wünschen nun dem Boas, daß durch die Nachkommen, die er mit Ruth erziele, sein Haus werde wie das Haus des Pcrez, den Thamar dem Juda geboren (V. 12), daß der Sohn aus ihrer Ehe ebenso der Erhalter des alten Namens werde, wie Perez es für die Seinigen war und dadurch zum Haupte des Stammes geworden. Und als der Ehe wirklich ein Sohn entsprießt, wird Noomi, die Mutter Machlon's, beglückwünscht, als sei ihr nun ein Sohn geboren, der verstorbene Machlon ihr wicdergegeben worden (V. 14 ff.). In diese Stammcssitte geht denn vollkommen auch das judäische Gesetz im Deuteronomium ein, setzt die Levirats- Ehe für den ohne Söhne Verstorbenen fest und überträgt auf den aus dieser Ehe hervorgehenden ersten Sohn den Namen, d. h. die Familienselbstständigkcit und das Erbe des Verstorbenen. Das Wort für dieses Verhältniß, worüber wir zweifelhafte etymologische Eombinationcn übergehen wollen, blieb ein judäischer Provinzialismus, der weder aus dem gesummten hebräischen Sprachgefühle entsprossen ist, noch schöpferisch sich weiter verzweigte. Anders war es im Stamme Joseph. War der ganze Stamm weniger abgeschlossen, so waren es noch weit weniger die einzelnen Familien innerhalb desselben; die Sitten, welche sich in Juda zur Erhaltung der Familie bildeten, waren Joseph fremd. Starb ein Mann, ohne Söhne zu Hintersassen, so ging das Erbgut auf die Tochter über, wenn damit auch dasselbe sich mit dem anderer Familien verschmolz, und diese Bestimmung wird schon als zu Moses' Zeit für die Töchter Zelofchad's mit aller Feierlichkeit verkündet dargestellt; der Verfasser des Buches Josua kommt nochmals darauf zurück, daß das von Moses für die Theilung des Landes voraus Angcordnete nochmals zu Josua's Zeit bestätigt und ausgefübrt worden, und er entlehnt in seinem Berichte (17, 3 f.) ziemlich genau die Worte

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