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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 16

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 n. Der 11. März 1862. mehr geradezu das Christenthum zur Begründung der Ausschließung in den Vordergrund, aber man sucht kleinliche Vorwände, die sein offenes Hervortreten unnöthig machen sollen. Man verschließt den Juden Richterstcllen, weil sie christliche Eide abnehmen müßten, man verschließt ihnen öffentliche Anstalten jeder Art, weil dieselben bald durch ihre Fundirung, bald durch die gegenwärtig fungirenden Lehrer-Collegien den specifisch christlichen, hie und da gar speciell den protestantischen oder katholischen Charakter an sich trügen, bald auch bestehende Statuten den Ausschluß verlangten. Mit solchen Vorwänden, mit solcher Berufung auf augenblicklich Bestehendes soll eine freie geistige Entwickelung gefördert, soll ein Rechtsstaat, soll ein Vcrfassungsleben begründet werden! Und der tiefere Grund bleibt doch die feige Furcht, daß das Christenthum Zusammenstürze, wenn nicht die ganze Machtfülle des Staates es stützt, das Christenthum, dem man sonst alle Macht im Himmel und auf Erden zuschreibt! Wahrlich, so kann von einer geistigen Frische, die vor 50 Jahren geweckt worden, nicht die Rede sein; mancherlei bürgerliche Befreiung hat sich verwirklicht, es nimmt der Jude in allen Gebieten eine gesichertere und ehrenhaftere Stellung ein, aber gerade das Gebiet des geistigen Lebens bleibt ihm nach wie vor verschlossen. Es ist, als wenn gerade auf seinen geistigen Kräften der Bann ruhen, die Förderung der Wissenschaft durch die Juden verpönt sein, die Verklärung des Judenthums durch die Wissenschaft verhindert werden sollte. Es ist ein Jammer, wenn man wahrnimmt, wie so manche tüchtige Kraft, wenn deren Besitzer sich nicht leichtsinnig über einen Religionswechsel hinwegsetzen will, in ihrer Entwickelung gehemmt, von dem ihr entsprechenden Boden auf andere Gebiete gedrängt wird, wo sie in ihr nicht zusagenden Beschäftigungen verkümmem muß, wie man der Wissenschaft edle Pfleger entzieht, sie durch den Mangel an Anerkennung zur Verbitterung hinführt, sie in fremde Länder treibt, die ihrem geistigen Wirken eine, vom Vaterlande versagte Heimathstätte bereiten; es ist kläglich, wie dem Judenthum jede Möglichkeit der rein wissenschaftlichen Pflege abgeschnitten wird, der Staat, welcher für die Durchdringung der Wissenschaft mit dem Glauben in allen Bekenntnissen mit Vorliebe sorgt, den Gedanken, auch dem Judenthume einen sorgsamen Blick zuzuwenden, ganz von sich fern hält. Die Aufgabe, das Judcnthum auf der Höhe der Zeit zu erhalten, verbleibt somit den wenigen Männern, welche den Muth und das

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