Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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tt. Der il. März 1862. 17 Interesse haben, d!e wissenschaftliche Thätigkeit ohne äußeren Beruf zu ihrer Lebensaufgabe zu machen, und den wenigen Rabbinern, welche die doppelte Last und den inneren Widerspruch des praktischen Amtes und der anregenden Forschung nicht scheuen. Es zeugt von dem frischen Leben, das Juden und Judenthum innewohnt, wenn unter solchen Umständen die Wissenschaft dennoch ihre gedeihliche Pflege findet; aber zu festlicher Erhebung kann die Wahrnehmung, daß der Staat das geistige Leben der Juden eher nicderdrückt als hebt, nicht anregen. — Und dennoch hat die Frage auch eine sehr beachtcnswcrthc andere Seite. Feste, die höheren Zwecken dienen, werden meist nicht Ln der Freude um den bloßen Besitz eines Gutes gefeiert, sondern als Anerkennung für die nützliche Verwendung desselben, um des mannhaften Einstehens willen für dasselbe, zur Ermuthigung, weiter die Kraft demselben zuzuwenden. Wenn ein Mann gefeiert wird nach längerer Verwaltung eines Amtes, so geschieht cs nicht, weil er so lange das Amt besitzt, sondern weil er so lange ein redlicher Träger desselben gewesen, dessen Beschwerden muthig getragen, dessen Pflichten redlich erfüllt, dessen Würde aufrecht erhalten hat, und zur Aufmunterung, daß er weiter ausharre; nicht die Rosen, die ihm das Amt gestreut, wohl aber die Dornen, die ihn darin verwundet, erhöhen das Festgefühl. Wenn wir Jahr für Jahr hören, daß in Kurhesscn der Tag der Feststellung der Verfassung von 1831 gefeiert wird, so werden wir in der fortdauernden gewaltsamen Verkümmerung, ja Unterdrückung, welcher dieselbe preisgcgcben ist, keinen Grund finden, diese Feier als unberechtigt zu verwerfen. . Wir werden vielmehr auch sie als einen mannhaften Protest ehren, der sich dem ganzen muthigcn Kampfe des Volkes für ein theures Gut, dessen Besitz ihm bestritten wird, würdig anschließt, — als einen Protest, der zugleich zrr weiterer männlichen Ausdauer mahnen soll. Und dürfen, sollen die Juden Preußens diesen Tag der Erinnerung nicht in gleichem Sinne feierlich begehen? Freilich, ob sie dazu das volle Recht haben, ob sie an diesem Tage mit Befriedigung auf ihr eigenes Verhalten, auf ihr männliches Einstehen zur Erhaltung des ihnen gewordenen Gutes zurückblicken können, — freilich die Antwort darauf müßte ziemlich kleinlaut aussallen. Aber umsomehr haben sie die Pflicht, durch eine solche Feier in die rechte Bahn cinzulcnken; ein reuiges Bekenntniß ist der erste Schritt zur Besserung. Die jüdischen Gemeinden Preußens — Dierteljahrschrist. I. 1 Z