Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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12 II. Der 11. März 1862. Posen, eine Ablösung zur Sicherstellung christlicher Institute, welchen man angeblich schuldete, erheischte. Die Rabbiner blieben ganz unbeachtet, und man zeigte cs ihnen recht geflissentlich, wie wenig sie stch den Geistlichen anderer Confcssionen ebenbürtig betrachten dürften; nur wiederum hatten die aus französischem Gesetze stammenden Consistorialrabbiner eine gewisse amtliche Stellung und amtliche Befugnisse, die immer wieder auf einen andern Staat hinwiesen, so daß dessen unbefangenere Würdigung eines jeden berechtigten Einstusses dadurch im Gegensätze zur eigenen Engherzigkeit so recht klar vor Augen gestellt wurde. So hätte das Judenthum mit seinen Gemeinden einer Auflösung entgegengehen müssen, wenn nicht seine innere Macht und die Treue seiner Bekenner es davor gewahrt hätte. Ja, es ging selbst unter diesen Umständen, die der Beschränktheit oder dem Eigensinn einiger wühlerisch Gesinnten es leicht machten, der Gemeinde die Mittel ihrer Wirksamkeit zu entziehen, — cs ging selbst unter diesen Umständen seinen Entwickelungsgang, wenn auch freilich langsam, ängstlich, gehemmt. Und zwar merkwürdiger Weise gehemmt nicht blos dadurch, daß ihm die berechtigten und mit den nothwendigen Attributen versehenen Organe der Wirksamkeit fehlten, sondern von dem Staate selbst, der doch so entschieden das Gehenlassen und Jgnoriren sich vorgesctzt hatte. Man griff gewaltsam in die innere Entwickelung ein, verbot unter dem Namen „Neuerung" jede vernünftige und von der Zeit gebotene Einrichtung und verlockte die Bornirtheit zu den nichtsnutzigsten und doch berücksichtigten Denunciationen. Dieses klägliche Mißverständniß schnürte das Judenthum in Preußen ein, der Staat der Intelligenz ward auf diesem Gebiete geradezu zum Beschützer der Uncultur. So verging mehr als die Hälfte des halben Jahrhunderts, auf das wir nun zurückblicken, und die Erinnerung an diese Jahre der Zerbröckelung und der Versteinerung bietet wahrlich keine Anregung zu festlicher Stimmung. Auch die Folgezeit trägt keine Momente der Erhebung in sich. Mit 1840 trat eine neue Staatsraison ein; sie war frischer, anregender, aber sie wollte noch gewaltsamer von dem 1812 eingeschlagenen Wege ablenken, und es mißlang ihr nur deshalb, weil ihre Entschiedenheit an der Entschiedenheit der Anforderungen der Zeit zerschellte. Während man früher nur das ruhige Verbleiben bei dem einmal Bestehenden verlangte, mochte es auch noch so mißgestaltet sein, jede freie Geistesbewegung fürchtete, war nun ein mächtiger Gestaltungstrieb eingedrungen, man liebte die