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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 7 (sequence 10)
Language
German
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l. Der Boden zur Aussaat. 7 Wortes offenbarungs gläubig, sie glaubt an den Gottesgeist, der im Judenihume die nirgends sonst erkannten religiösen und sittlichen Wahrheiten weckte, kräftigte, zur Reife und zum Siege führte, durch seine absolute Schöpferkraft; cs ist den Propheten, es ist dem Volke zugekommen nicht durch vermittelte Reflexion, sondern durch Erleuchtung, „es war stark über ihnen die Macht Gottes", und sie redeten, getrieben von dieser Macht, sie kämpften, gekräftigt von dieser Macht, sie unterlagen, von ihr gezüchtigt, und siegten dennoch, von ihr aufrecht erhalten. Diese Wissenschaft ist traditio ns gläubig, sie glaubt an den Gottesgeist, der im Judenthum seine Schöpfung erhält, sie fortzeugen läßt, sie immer frisch geistig belebt. Das Schöpfungswerk ist in der Natur geschlossen, die Kraftfülle, die in ihr sich wunderbar offenbart und ergossen hat, hat sich zurückgezogen, die schaffende Kraft ist zur erhaltenden und zur veredelnden geworden, das Leben zeugt fort und gestaltet um nach der ursprünglichen Weisheit, die ihm eingebildet ist: so ist das geistige Schöpfungswerk geschlossen, aber fortzeugend wirkt der Geist, der cs trägt und cs, indem er es erhält, durchhaucht und zu lebendiger Wirksamkeit antreibt. So ist die Wissenschaft der neuen Zeit frei und gläubig, weil sie in demselben freien Geiste wirkt, der den Glauben erzeugt hat. Beschränkt ihr ihr die Freiheit, so raubt ihr ihr auch den lebendigen Glauben an die Offenbarung und an die Tradition, und ihr gebt ihr dafür deren werthlose welke Blätter, die entgeisteten Buchstaben. Diese Wissenschaft steht demnach im lebendigsten Zusammenhänge mit allen vorausgegangenen Entwickelungsstufen; Alles ist ihr wie des Judenthums unveräußerliches Eigenthum, vom ersten Worte der Bibel bis zum letzten eines Thalmudisten, von den tiefen Gedanken der mittelalterlichen Philosophen bis zu den Lucubrationen eines jeglichen Darschan, von der buchstäbelnden Enge des Casuisten bis zum freien Worte der neuen Predigt. Ueberall erkennt sie den ursprünglichen Geist nach den verschiedenen Zeiten und der verschiedenen Begabung, und dennoch in voller Einheit. Diese Wissenschaft wird durchdringen und die Schwierigkeiten von Innen und von Außen besiegen. Zu allen Zeiten gab und giebt es Menschen, die auch im geistigen Leben den augenblicklichen Besitz blos erhalten, ganz in der Form erhalten wollen, wie sie ihn überkommen, und sich gegen jeden freien Gebrauch desselben stemmen; Liese Engherzigen und Ruhe-Sehnsüchtigen kämpfen auch im JuLenthum gegen jeden leben-

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