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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 6 (sequence 9)
Language
German
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6 i. Der Boden zur Aussaat. im Wesentlichen von den Provenzalen mit gelehrtem Sammlerfleiße zugänglich gemacht, dann aber erhielt er sich unter der starren Hülle fort und harrte nur des belebenden Hauches. Schon die Zeit der Restauration der Wissenschaften gab ihm neue Kraft und ließ ihn frisch wieder walten. Was Elias Levita mit gesundem Sinne erkannte, was Asariah de' Nossi mit tief eindringendem kritischem Blicke, aber vorsichtig enthüllte, konnte bei dem neuen noch gereizteren und argwöhnischen Entgegenstemmen aller finstern Mächte gegen die freie Wissenschaft nicht fruchtbar sich erweitern, aber die von Levita entdeckte Wahrheit über die Jugend der Punctation und Acccntuation, wie Nossi's kritische Anregungen, sind dennoch auf keinen steinigen Boden gefallen. Das Judenthum bedarf nur des befreienden Hauches, um von Innen heraus sich zu verjüngen. Und dieser Verjüngungs-Proccß geht nun seit etwa achtzig Jahren vor sich. Die Anregung dazu kommt, wie natürlich, mannichfach von Außen. Das Judenthum steht nicht abgeschlossen da, es empfängt von der gesammten Entwickelung der Menschheit, wie es ihr giebt; namentlich aber bedarf es dessen, daß man ihm die freie Bewegung, seinen Bekcnncrn die unbeschränkte Entwickelung der geistigen Kräfte und deren ungehinderte Anwendung gestattet, und um ihm und ihnen Dies neidlos zu vergönnen, müssen sich die Völker, in die es eingegangen, zu einer höheren Stufe der Culturentwickelung, zum Ablegen engherziger Abschließung erheben. Aber mehr als Anregung und freien Boden verlangt cs auch nicht; das Andere giebt es sich selbst. Nicht in der Nachahmung, nicht in der Aufnahme besteht sein Fortschritt, sondern in der Ausbildung seines ureigenthümlichen Geistes. Nachdem es rasch die allgemeinen Culturfortschritte nachgeholt, die engen Fesseln, in denen man es erstarrt gehalten, gebrochen, hat es sich in seine eigenen Schätze vertieft, sie geordnet, um sie überschauen zu können, hat es die überkommenen Güter nach ihrem verschiedenartigen Wcrthe und ihrer geschichtlichen Ansammlung zu sichten begonnen, vom Nächsten anfangend, zu dem Entfernteren emporsteigend, vom Nachthalmudischen an zum Thalmud, von ihm zur Bibel fortschreitend. Es bildet sich immer mehr eine ächt jüdische Wissenschaft aus, die den alten ureignen Geist wieder neu belebt, die, indem sie das Erstarrte löst, die geschichtliche Bewegung wieder in Fluß setzt, gerade das ursprüngliche geistige Band wieder schlingt und so wahrhaft befestigt und erbaut. Denn diese Wissenschaft ist zugleich im wahren Sinne gläubig. Sie ist im ächten Sinne des

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