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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 1 (1862) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
1 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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4 l. Der Voden zur Aussaat. allen Zeiten, insofern nicht trübe Verhängnisse den Geist seiner Bekenner niedergedrückt haben, den ihm anvertrauten Schatz mit der Freiheit behandelt, zu welcher der natürliche Erbe, der Sohn des Hauses, sich vollkommen berechtigt fühlt; er weiß, daß er ihn pflegen und verwenden darf, ja soll, nicht aber ihn ängstlich in der Gestalt, in welcher er ihm anvcrtraut worden, bewahren muß. So lange der frische Schöpfungstrieb der Offenbarung in ihm waltete, wurde dieser Schatz erweitert, geläutert, Manches ausgeschicden und Neues an die Stelle gesetzt. Aber auch später hat man seinen Werth zu erhöhen, anders zu bestimmen gesucht und gewußt, und man hat es nicht gescheut, den Werth einzelner Stücke anzuzweifcln, nicht blos verspäteter, theilwcise entarteter Sprößlinge, die man auch wirklich als Apokryphen beseitigte, sondern auch gar mancher Bücher, mit denen man sich jedoch allmälig wieder aussöhnte, wie sämmtlicher dem Salomo beigelegten Schriften, ja sogar des Prophetenbuchs Ezechiel. Man trug den Maßstab in sich, man fühlte sich noch von dem achten Geiste angehaucht, und bei aller Ehrerbietung vor den Früchten, die dieser Geist früher gezeugt, beugte man sich nur vor ihm, nicht vor der Frucht, wenn man wahrzunehmen glaubte, daß fremdartige Säfte sie durchströmten. In diesem vollen Bewußtsein von dem lebendigen Zusammenhänge, in dem man mit der ganzen Vergangenheit stand, von der gleichen geistigen Grundlage, auf der man sich mit ihr befand, sprach man auch sein Urtheil über Einzelnes ohne Zagen aus; nachdem selbst die Ehrerbietung vor dem göttlichen Worte zum Glauben an eine buchstäbliche Inspiration erstarrt war, nahm man dennoch keinen Anstand, es z. B. auszusprechen, die Strafandrohungen im Deutcronominm habe Moses „aus eigenem Munde" gesprochen, machte man einen Unterschied zwischen den verschiedenen Trägern der Offenbarung, man verglich in sinnigem Bilde Jesaias mit einem Bewohner der Residenz, der, gewöhnt an das Hofleben, dasselbe keiner weitläufigen Beschreibung bedürftig erachte, während Ezechiel, als Bewohner eines fernen Dorfes, im Staunen über den seltenen Anblick, zur bewundernden Darstellung alles Geschauten sich gedrungen fühle, man verkannte überhaupt nicht die Eigcnthümlichkcit, die „Signatur", die jeder einzelne Prophet an sich trage, man ging so weit, bei abweichenden Zeitangaben zwischen dem Buche der Könige und Jeremias von „Verwirrung der Rechnungen" zu sprechen. Den gesetzlichen Inhalt der Bibel aber hatte man sich in der ersten Zeit, innerlich einig mit der Vorzeit, nach

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