Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i. Der Boden zur Aussaat. 3 übermäßigen Bedeutung hinaufzuschrauben. Das Recht der Wissenschaft gelangte im Judenthum zur Verbreitesten Anerkennung. Wenn sie sich deshalb bei einem Theile ihrer Pfleger gern mit den hergebrachten Ansichten vermählen mochte, so hat sie doch auch andererseits an Umfang und an Tiefe mächtig gewonnen. Die literarischen Schätze der nachthalmudischcn Zeit liegen uns in Uebersichtcn offen, und in bis dahin unwegsame Gebiete ist der Forschcrblick gedrungen und hat reichen Stoff von dort herbeigeführt. Die innere Geschichte des Thalmuds hat sich mehr abgeklärt, und ist dieselbe in den Vordergrund der Forschung getreten. Wenn früher die Behauptung, die Mischnah müsse als eine frühere halachische Entwickelungsstufe betrachtet werden, sie werde aber von der Gcmara nach ihrem Standpunkte einer weiter fortgeschrittenen Entwickelung erklärt, wir seien daher berechtigt und verpflichtet, die Mischnah nach ihrem eigenen Sinne und nicht nach der Auffassung der Gemara zu deuten — wenn früher, sage ich, diese Behauptung die Einen stutzig machte, den Andern Veranlassung gab zu höhnischem Gelächter und erkünstelter Entrüstung: so ist diese Behauptung nunmehr zur gesicherten Erkenntniß, zum unzweifelhaften und allgemeinen Eigenthum der Wissenschaft geworden. Ja, viel tiefer dringt noch der Blick in die verschlungenen Gänge der nachbiblischen Entwickelung des Judenthums; man ist dem Einflüsse auf die Spur gekommen, den religiöse und politische Richtungen in ihren verschiedenartigen Bestrebungen und ihren mannichfaltigcn Kämpfen auf den Gang dieser Entwickelung ausgeübt, wie da wieder ältere und jüngere Zeiten, von abweichenden Zwecken beherrscht, in ihren Resultaten und Einrichtungen auseinander gehen, diese sich dann in den schriftlichen Quellen, wie in den Vorschriften für's Leben in einander gemischt haben. Auch die biblische Zeit und ihre innersten Motive enthüllen sich dem Forscherblicke. Die jüdische Wissenschaft glaubt nicht mehr, sich gegen eine jede freie Forschung auf diesem Gebiete abschließen zu müssen; das Wort: „Was sollen wir beginnen? Die Mauer der Maßorah umschließt uns!" ist verschollen, die biblische Kritik hat ihr altes Bürgerrecht im Judenthum wieder gewonnen und wird in ihm glücklicher geübt werden, weil sie nun Heimathslust athmet, nicht fremdartigen Anschauungen sich fügen, sondern dem innersten Triebe des Wachsthums nachgchcn soll. Es wird angemessen sein, daß ich mich von vornherein etwas deutlicher über diesen Punkt ausspreche. Das Judenthum hat zu 1»