Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Journal
- Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Volume
- 1 (1890)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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92 mit den beiden erwähnten Mitteilungen in keinem Zusammenhänge stehende Nachricht fälschlicher Weise eine zu ihr gar nicht gehörende Fortsetzung erhielt. Inj. Kil. 9. 4, Ketub. 12, 1, Gen. r. e. 33 wird nämlieh erzählt, R. Jehuda, der sehr bescheiden war, habe erklärt, seine Bescheidenheit gienge nicht so weit, dass er, wie einst die Bene-Bathyra dem Hillel, einem anderen den Platz räumen werde, doch würde er, wenn der babylon. Exilarch R. Huna käme, denselben über sich setzen, da derselbe noch von edlerer Abstammung sei als er. Darauf habe ihm R. Chija gemeldet, dass der Exilarch eben drausen stehe, und, als der Patriarch darob verlegen wurde, ihm erklärt, dass nur die Leiche desselben eben angelangt sei. Wegen dieses Scherzes sei nun R. Ch. in den Bann gethan worden. Aus b. M. k. 16 erfahren wir aber, dass letzteres eine andere Ursache hatte. R. Chija habe nämlich einer An- Ordnung des Patriarchen, nicht Schüler ausserhalb des Lehrhauses zu unterrichten, zuwider gehandelt, darauf habe jener mit den Worten ״wer ruft dich draussen?׳' ihm seine Verbannung zu erkennen gegeben. In letzterem Referate wird sicherlich das Richtige gemeldet, denn, dass, wie in Gen. r. erzählt wird, gerade als der Patriarch dies sagte, R. Ch. ihm die Ankunft des todten Huna melden konnte, ist sehr unwahrscheinlich und nicht viel glaubhafter klingt es, wenn, wie in j. Kil. und Ket. gesagt wird, dasselbe später geschehen sein soll ( - * ♦ ר, ד|ייא JD1 *IH) Der Patriarch hatte, wie ja auch aus der nach Hör. 11 b mit R. Chija geführten Discussion hervorgeht, den Vorrang des Exilarchen anerkannt und brauchte daher über dessen Ankunft nicht in Schreken zu gei'aten. Nun wird M. Kat. 25 a berichtet, dass in derselben Weise in späterer Zeit die Ankunft des Sarges des Amora R. Huna gemeldet wurde. Man darf daher annehmen, dass den Palästinensern von der Erzählung über die Verbannung R. Chija’s der Anfang nur soweit bekannt war, als sie wussten, dass durch denselben ״draussen“ etwas geschehen sei, was ihm diese Strafe zuzog. Das war abernichts anders, als dass R. Chija auch ״draussen“ d. i. ausserhalb des Lehrhauses Vorträge hielt; da aber davon in Palästina nichts bekannt war, so legte man sich das so zurecht, als ob R. Chija mit dem Patriarchen, mit dem er ja über das Rangverhältnis desselben zu dem babylon. Exilarchen eine Unterredung gehabt hatte, sich den Scherz erlaubt habe, ihm zu erzählen, R. Huna d. h. sein Sarg sei ״draussen“. Thatsächlicli galt dieser Bericht von dem gleichnamigen Amora und gehört einer anderen Person und einer späteren Zeit an. Die Meinung, dass der Exilarch R. Huna in Palästina seine Grabstätte fand, stand daselbst so fest, dass man auch das über Beerdigung des Amora R. Huna berichtete auf ihn bezog (j. Kil. 1. c. Koh. r, 9, 10). Darauf