Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Journal
- Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Volume
- 1 (1890)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1890)
- Date
- 1890-07-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Judaica. CASSEL PAULUS, Harmageddon, apokalyptische Beobachtungen, Sendschreiben an Herrn Prof. Dr. Harnack in Berlin I. Berlin, 1890. Selbstverl. 44 S. [״Antisemitismus ist Antichristianismus“ (S. 4) ״die ganze Litteratur der Antisemitik ruht auf Leidenschaft und Modeströmung, aber nicht auf Christlichem Studium der Lehre und Ideen Jesu Christi“ (S. 5). Aus solchen Aeusserungen leuchtet die Einsicht hervor, dass der consequente Antisemitismus nicht beim gemeinen Judenhasse stehen bleiben kann, sondern auch den jüdischen Religionsgeist, der die Seele des Christentums ist, bekämpfen und somit die Grundvesten der Kirche erschüttern muss. Das eigentliche Thema dieser Schrift ist die Darlegung der Idee, von der die Johanneisclie Apokalypse getragen ist. Es fehlt auch hier nicht an Berührungspunkten mit der jüdischen Tradition. So wäre S. 13 die Angabe Apok. II, 2 ״sie werden die heilige Stadt zertreten 42 Monate“, die mit Recht auf den Vespasianischen Krieg bezogen wird, durch Eclia rab. 1,5 (״drei und ein halb Jahr umlagerte Vespasian Jerusalem“ vgl. ib. 1. No. 40 * b. Git. 56 a hat ungenau ״drei Jahre“) zu belegen gewesen. Weniger wahrscheinlich ist die Annahme des Yerf’s., dass die Notiz des Fasten-Yerzeichnisses ״am 8. Schebat starben die Frommen, die Zeitgenossen Josua b. NuiTs waren“ ursprünglich das Datum für den Beginn des Krieges bezeichnete und aus ״politischer Vorsicht“ ein anderes Factum, das aber selbst jeder traditionellen Grundlage entbehrt, als Ursache des Fasttages hingestellt wurde. Vielleicht dass hier eine Abbreviatur בן גמלא ב״ג missverstanden und dafür בן נון ב״ נ gelesen wurde; die Notiz würde sich dann auf die zur Zeit des Hohenpriesters Josua b. Gamala erfolgte Hinrichtung von Sicariern durch den Landpfleger Albinus beziehen (s. Grätz, Gesch. 3 S. 470.—72). Das Datum ist übrigens nach Hai. ged. 39 a u. Amr. Sid. 34b. der 5. Schebat. — Nach Apok. 13, 17 habe das zweite Thier (symbolische Bezeichnung für Vespasian) verordnet, es müsse jeder ״das Zeichen oder den Namen des (ersten) Thiers (d. i. Rom) oder die Zahl seines Namens als Malzeichen tragen ״Hier ist Weisheit. Wer Verstand hat berechne die Zahl des Tliieres, die Zahl ist eines Menschen und die Zahl beträgt 666“ (v. 18 vgl. S. 31). Der Verfasser versucht S. 28 mehrere Deutungen. Sollte der Name, was wahrscheinlich ist, die Zugehörigkeit zu dem römischen Heidentume bezeichnen, so war er der eines römischen Gottes, und wenn, wie der Verf. meint, in der Zahl auch der Gegensatz zur Christuslehre signifleirt werden sollte, so wäre das Rätsel auf einfache Weise gelöst, denn wie Jupiter Capitolinus) hebräisch geschrieben ל(יופיטר קפטולינלס hat auch ישו ינצרו den Zahlenwert 666. — Die Erklärung von Armageddon (Apok. 16, 16) durch ״) ארמא נריןWermut Roms“) erscheint ebenso wenig plausibel wie die Zurückführung von ארמילום auf ארמלענלת (s* S. 34, 35); ersteres ist wol nichts anderes als מגרון (Zach. 12, 11); von aram. גךך abgeleitet, bedeutet es: Abschneidung, und weist auf Strafgerichte hin (vgl. Gen. r. c. 71, wo von Elia gesagt wird, er werde die Grundstützen der Völker wegschneiden (s. Le^ y Nh. Wtb. I S. 300); auch die jüdische Messiaslegende lässt in Megiddo einen entscheidenden Kampf stattfinden (s. Jellinek Betha-Midi*. 4 p. 122).]