Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- X. (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 69)
- Language
- German
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63 loniens bis zum Aufblühen der talmud. Akademien unter Rab und Samuel fast völlig unbekannt. Allerdings, wenn man der späteren auf babylonischem Boden gewachsenen und dem baby- Ionischen Ahnenstolz entsprungenen Sage glauben wollte, so wäre die hohe Entwickelung der Religionswissenschaft in Palastina wesentlich ein Werk von Babyloniern. Indessen mag auch immerhin eine gewisse auf zum teil uralten Traditionen beruhende Kulturströmung, die sogar auf Palästina einen nicht unbedeutenden anregenden Einfluss zu üben vermochte, in Babylonien zu keiner Zeit völlig gefehlt haben,1) so hat doch erst der um die Mitte des zweiten Jahrhunderts stetig anschwellende Strom von Auswanderern und der damit bedeutend zunehmende geistige Einfluss des Mutterlandes auf die Colonien das Aufblühen eines frischeren kulturellen Lebens ermöglicht. Schulen2) bildeten sich mit Häuptern unter dem Titel ריש סידייא, die um so zahlreicher besucht wurden, je einschneidender die römischen Verfolgungsedikte in die Lebensnerven der palästinensischen Akademien eingriffen und berühmte Gelehrte wie Scholaren zwangen, Sicherheit des Lebens und Studiums bei jenen zu suchen.3) So üppig wucherte bald die Saat der Religionswissenschaft, dass einer der palästinensischen Emigranten, חנניה oder חנינא ,Schwestersohn des R. Josua, um c. 150 den Versuch wiederholen konnte, der vor 90 Jahren an Hyrkan’s II Weigerung gescheitert war, Babylonien auch in religiöser Hinsicht zu einem völlig von Judaia unabhängigen Staate zu gestalten, dessen religiösen Mittelpunkt ein Sanhedrin unter seiner Leitung bilden sollte, sodass auch die Festsetzung des Festkalenders, der nach dem Wegfall der Tempelsteuer mit seiner nach den eigenen kalendarischen Traditionen des Patriarchenhauses jedes Jahr von neuem festzustellenden Berechnung neben *) Das hat schon gegen Rapaport Fürst gezeigt in Kulturgesch. der J. in Asien Einl. Cf. auch Herzfeld I, 120 f. 2) zu Nehardea Jebamot 122a, zu Nisibis (Sanhedr. 32b. Pes. 3b, u. s. die Schule scheint schon länger bestanden zu haben. Crochmal ״Scholienu S. 21), zu Nehar Pakod (Jer. Nedar 6. S. unten). 3) R. Akiba (Jebamot 122a), R. Meir (Megilla 18b.) cf. Grätz IV, 148 f. Jost Gesch. d. Israeliten“ II, 125.’