Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 98)
- Language
- German
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93 ehrer desselben, man braucht nur ein Freund der Wahrheit zu sein, um Zunz die Anerkennung zu zollen, die jedem Manne, der Grosses geleistet hat, gebührt. 4. Diwan des Abraham Ibn Esra mit seiner Allegorie Hai ben Mekiz, zum ersten Male aus der einzigen Hand• schrift mit erläuternden Anmerkungen herausgegeben von Dr. Jacob Egers, Berlin 1886. (Comm.-Verl. J. Kauffmann in Frankfurt a. M.) 20 u. 188 S. An lbn Esra ist nicht blos die umfassende Vielseitigkeit des Wissens und die Tiefe und Klarheit des Denkens, sondern auch die unerschöpfliche Productivität zu bewundern, mit der eine stets sich gleicÄ bleibende Schaffensfreudigkeit Hand in Hand geht. Seinem fruchtbaren, genialen Geiste sind auch zahlreiche Blüten der Dichtung entsprossen, die, wenn sie auch nicht durch entzückende Farbenpracht glänzen, doch mit dem Reize einer lebensvollen Frische umkleidet sind, und auch da, wo die Tiefe der Empfindung in ihnen vermisst wird, den Meister des Gedankens und der Sprache erkennen lassen. Ibn Esra war mehr ein Poet der Gedanken als der Gefühle. Nicht der innere Herzensdrang, sondern die Gabe künstlerischer Gestaltung war es, die ihn zum Dichter gemacht hat, dessen Hauptkraft in der Invention des Ausdrucks, in witzigem Spiele der Paronomasien und Alliterationen und in geschickter Handehrer“ getkan hat. Wir wollen über Jen Ton, den in dernselhen anznschlagen ihm beliebt, kein Wort verlieren, denn beleidigend ist ein solcher nur für den, der sich seiner bedient; aber wenn mau in einem zerbreck liehen Glashause wohnt, das durch den leisesten Windstoss umgeworfen werden kann, 8011 man sich wohl doppelt hüten, nach anderen mit Steinen zu werfen. Es sind die reinsten Lappalien, mit denen L. um sich schlägt und dabei ist er so unglücklich, dass er sich selbst eine Wunde nach der anderen beibringt. Er hat es den Verfassern der durch sein Libell hervorgerufenen Gegenschriften (Berliner, Professor Paul de Lagarde nach seiner Natur gezeichnet, Kaufmann, Paul de Lagarde’s jüdische Gelehrsamkeit, Ziemlieh, Einer, der nicht Liturgiker sein will) recht leicht gemacht, ihm die gröbsten Irrtümer nachzuweisen. Wenn er durchaus auch auf dem Gebiete der neuhebräischen Litteratur sich seine Lorbeeren verdienen will, dann wäre es ihm dringend geraten, zunächst Zunz’s Werke gründlich zu studieren.