Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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38 darauf bingewiesen, dass auch eine Denkschrift über die speciellen Ereignisse, die zur Einsetzung des Festes den nächsten Anlass gaben, verfasst wurde. Da man nämlich zu jenen Zeiten in dieser Hinsicht sehr bedenklich war und ein neues Buch, dessen Niederschreibung man zugelassen hatte, zugleich als ein Bestandteil des heiligen Schrifttums angesehen wurde, so musste das Vorhandensein einer besonderen Schrift über die Geschichte der makkabäischen Erhebung als ein wichtiges Zeugniss für die Sanction des Festes, das zu deren Andenken eingesetzt wurde, erscheinen. Diese Schrift gehörte zur Bibel und wenn die Erzählung von den Kriegen der Makkabäer für würdig befunden wurde, in derselben verzeichnet zu werden, dann musste gewiss jeder Einwand, der gegen die Feier des Chanukafestes erhoben werden konnte, gänzlich entfallen. Die Palästinenser stellen die Denkschrift, als deren Verfasser Juda (der Makkabäer) genannt wird, in einen Rang mit der Denkschrift Nehemias. Wie dieser nicht nur sein eigenes Wirken beschrieben, sondern auch gesammelt hat, was über Könige und Propheten aufgezeichnet war*) so hat Juda alles zusammen- *) Aus v. 13 geht sowohl hervor, dass Nehemia eine Sammlung der biblischen Schriften zu Stande gebracht (xaraßaXXo^vog ß1ß?.10&?jx1jv) als auch, dass er gesammelt hat, was über Könige und Propheten sich vorfand (fTttowijyayi ra fiaoiXiow xai Tt^oip^TOJv x. t. A.) Der Verfasser will damit vermutlich sagen, das er die zwölf Propheten in einem Buche vereinigt und die Bücher der Chronik (vgl. Grätz a. a. 0.) verfasst hat. Der Talmud setzt es als allgemein bekannt voraus, dass Nehemia der Verfasser des Buches Esra sei (מיכדי כל מילי דעוו־א נחמיה בן חבליה אמרינהו Synh. 93 b) und ge. langt ferner zu der Annahme, dass die Bücher der Chronik erst durch ihn vollendet wurden (bab. bat. 15 a חכ^יח p »דאסקיה נחמיר)• Der Verfasser des Sendschreibens folgt also in diesem Punkte der jüdischen Ueberlieferung. Auch bezüglich der kleinen Propheten, die nach dem Talmud (1. c.) von den Männern der grossen Synagoge gesammelt wurden, entfernt er sich nicht zu sehr von derselben. Aus dieser Annahme, dass Nehemia der Geschichtsschreiber jener Zeit und der Sammler historischer und prophetischer Schriften gewesen sei, erklärt es sich auch, dass der Verf. die Anordnungen für die Einweihung des Tempels auf ihn zurückführt (1, 20 ff.). Wird ja schon in dem Verzeichnisse der mit Serubabel aus dem Exil zurückgekehrten Judäer Nehemia gleich nach dem Hohenpriester genannt (Esr. 2, 2; Neh. 6, 7). Der Verfasser muss daher denselben nicht geradezu mit Serubabel identificirt haben, wie Grätz annimmt.