Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2418846-2418855--1367-2420260- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
28 IV. Die Geschichte von Bel und dem Brachem In dieser Erzählungsschrift, welche in dem Septuagintaltexte ihren besonderen Titel hat, sind zwei Daniel-Legenden aneinandergefügt, von welchen die zweite gleichsam als ein Doppelgänger der ersten anzusehen ist. Beide sind Ueberbleibsel epischer Ausführungen zu Jer. 51, 34 u. 42. War aus dem in letzterer Stelle angeführten Bilde des babylonischen Cultus zu erkennen, dass Bel mit Speisen bedient wurde, so führte erstere auf den Gedanken, dass auch einem göttlich verehrten Drachen die ähnliche Verehrung zu Teil wurde. Es bildeten sich diesen Annahmen gemäss zwei parallele Sagen. Nach der einen soll Daniel die Nichtigkeit des Bel, nach der anderen die des Drachen bewiesen haben und zwar nach beiden Versionen durch ein Experiment mit den Speisen, die von denselben angeblich verzehrt wurden. Die zweite wird auch im Midrasch (Gen. rab. c. 68, s. Zunz Gottesd. Vortr. S. 123, vgl. Pleszner p. 41) dargestellt, 1j Beide Versionen der einen Legende wurden später als zwei von einander verschiedene Erzählungen angesehen und wegen ihrer Gleichartigkeit mit einander verbunden. Ueber den Grundtext dieser Schrift dürfte sich, nachdem die Theodotion’sche Becension im Vergleiche mit der der Septuaginta sich als eine mit allerlei kleinen Ergänzungen und Aenderungen versehene Bearbeitung derselben darstellt, kaum mehr das Sichere feststellen lassen. Vielleicht dass auch in dieser nur eine freie Conception allgemein bekannt gewordener Ueberlieferungen uns vorliegt. Eine Erfindung der Alexandriner ist in dieser Legende jedenfalls nicht zu erkennen; man darf in ihr eher einen Sprössling der palästinischen Haggada erblicken. Darauf weisen auch folgende Spuren eines hebräischen Textes hin, der der griechischen Bearbeitung zu *) In Resp. Chawot Jair 256 a wird auf die Geschichte von dem Drachen hingewiesen, die dort aber nur aus den Apokryphen, nicht aus dem Midrasch bekannt ist.