Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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27 sei, zu stehen. Dass diese Auffassung bestand, ist daraus zu ersehen, dass Theodos von Rom, ein Gesetzeslehrer, der vor der Zer- Störung des zweiten Tempels gelebt hat, auf die Frage, was wol die drei Männer bewogen haben mag, in den Feuerofen zu gehen, erst eine Antwort sucht und diese nicht einfach darin findet, dass sie, wie es ja auch das Religionsgesetz vorschreibt, eher den Tod erleiden wollten als einem Götzen Huldigung darbringen. (Pesach. 53 b, vgl. Tosafot z. St.) Von Theodos, von welchem sonst nichts bekannt ist, als dass er in Rom den Brauch einführte, am Passahfeste nach Art des Passahopfers zugerichtete Böcklein zu essen, ist nur dieser eine Lehrspruch bekannt geworden. Vermutlich bildete derselbe das Thema eines an dem genannten Feste gehaltenen Vortrags, in welchem er zur Zeit, als Caligula die Anbetung seiner Bildsäule anbefohlen hatte, seinen Glaubensgenossen das Beispiel der drei Männer vorführte, die den Gang in das Feuer nicht scheuten, um nur die Ehre ihres Gottes nicht zu verletzen. Auch die Behauptung Rab’s, dass die drei Männer, wenn andere Zwangsmittel gegen sie angewendet worden wären, sich dem Befehle des Königs gefügt hätten (Ketub. 33 b), wird nur unter der Voraussetzung, dass es sich hier nicht um Götzendienst gehandelt hat, erklärlich. Für die Vermutung, dass zur Zeit, als Caligula den erwähnten Befehl erliess, Meinungen laut geworden seien, nach welchen zwischen der Anbetung von Götzenbildern und Königsbildern ein Unterschied gemacht werden musste und letztere im Notfälle zu gestatten wäre, sind keine festen Anhaltspunkte vorhanden, wol aber mag damals die Geschichte der drei Männer mehr in Betracht genommen worden sein und vielleicht auch das angebliche Gebet und Loblied derselben auf Grund früherer Paraphrasen oder Auslegungen eine weitere Bearbeitung erfahren haben. Als der ״ungerechteste und schlimmste König der Erde“ (v. 8) wäre demnach eigentlich Caligula anzusehen, für welchen Nebukadnezar die Folie bildete.