Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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22 weisführung, bei welcher, nachdem eine Reihe von Thatsachen, die für die Nichtigkeit des Götzentums sprechen, dem Leser vor Augen gestellt wurde, aus denselben der Schluss gezogen wird, dass die Götzen also nicht zu fürchten seien (v. 16, 23, 29, 66) oder in Frageform die Folgerung aufgestellt wird: Wie kann man nur denken oder annehmen, dass dieselben Götter seien? (v. 40, 56, 64), zeigt, dass wir es hier mit einem philosophisch geschulten Jünger der alexandrinischen Schule zu thun haben. Wahrscheinlich fällt die Abfassung des apokryphen Jeremiabriefes in eine Zeit, in der das Judentum Angriffe von heidnischen Schriftstellern erfuhr und eine kräftige Abwehr derselben geboten schien, die hier in Form eines Gegenangriffes erfolgte.*) III. Das Gebet der drei Männer im Feuerofen• Dass Hananja, Mischael und Asarja nach ihrer Rettung aus dem Feuerofen nicht ein Wort des Dankes für ihren Gott, der ihnen in so wunderbarer Weise beigestanden war, gehabt haben sollen, währenddem selbst ein Nebukadnezar sich nicht enthalten konnte, bei dem Anblicke dieses Wunders dessen Macht zu preisen, schien den alten Erklärern des Buches Daniel so unmöglich zu sein, dass sie bei dem öffentlichen Vortrag desselben wol selbst die vermeintlichen Lücken paraphrastisch zu ergänzen suchten und den Erlösten einen Lobgesang in den Mund legten, der von denselben nach ihrer Rettung angestimmt worden sein soll. Man hielt es auch der J) Auffallender Weise vermeidet es der Verfasser für die Dauer des Exils die bekannte Zeit von siebenzig Jahren anzugeben; er sagt dafür ״sieben Geschlechter“ yfvfoiv i7tru). Diese Angabe scheint auf einer alten Auslegung zu 1. Chr. 3, 24 zu beruhen, nach welcher in dieser Stelle ausgesprochen war, dass, wenn die dort genannten sieben Geschlechter zu Ende gekommen sind, die volle Erlösung eintreten werde (s. Genesis-Haggada C. 44, Tanchuma Toldot 14, Jahrb. 2 S. 193.)