Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- VIII. (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4 schriftliche Ueberlieferung der vorhellenischen Zeit und sind dennoch nicht kanonisch geworden. Sie müssen somit entweder als Producte der alexandrinischen Pseudepigraphie, bei denen dann natürlich auch der griechische Text als das Original anzusehen wäre, in Palästina keinen Eingang gefunden haben oder, wenn dies nicht zutrifft, wegen mancher in ihnen dargelegter Aeusserungen Anstoss erregt haben. Dies ist noch näher zu untersuchen und kommen hierbei folgende Schriften in Betracht: 1) Der Brief Baruchs.x) 2) Der Brief Jeremias. ‘) Der angebliche Brief Baruchs an die zehn (oder vielmehr 9*/2) Stämme, der sich in dem syrischen Apokryphencodex vorfindet, gehört der ursprüngliehen Sammlung dieser Schriften nicht an; er ist blos als Seitenstück zu dem aus dem griechischen Texte übersetzten Baruchbuche aus der Baruch- Apokalypse, deren lateinischer Text in neuerer Zeit aufgefunden wurde, (s. die Litteratur bei Rosenthal, vier apokryphische Bücher, S. 72 ff. u. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi S. 638—644) mit aufgenommen worden. Die Angabe der Apokalypse, dass Baruch die zehn Stämme für die Wiedervereinigung mit Juda zu gewinnen suchte, ist vielleicht nicht ohne Beziehung zu der talmudischen Tradition (Meg. 14b, Arach. 33 a), nach welcher Jeremia dieselben aufgesucht (und teilweise zurückgeführt) hat (s. Raschi Synh. 94 b). Der Einfluss rabbinischer Tradition tritt in dem Sendschreiben in markanter Weise hervor. Die Legende von der Zerstörung Jerusalems durch Engel, welche die Mauern niederrissen und dem Feinde nur die Eroberung der zerstörten Stadt gönnten (syr. Text bei Lagarde Apokr. syr. p. 89, Z. 10—16), kennt auch die Hagada (s. Pesikta rab. c. 26 Ed. Friedmann 131a u. Parallelst. Synh. 96 b, vgl. Pleszner die Apokryphen Bar. p. 2). Die Vergeltungslehre, von der der Verfasser ausgeht, ist echt talmudisch. Er tröstet die Exulanten damit, dass die Leiden, von denen sie heimgesucht wurden, ihnen die zukünftigen Strafgerichte ersparen (syr. Text p. 89 Z. 2—6). In ähnlicher Weise wird im Onkelos-Targum zu Deuter. 7, 10 darauf hingewiesen, dass die Sünder den Lohn ihrer guten Werke auf Erden genieszen, aber dafür keinen Anteil an dem Jenseits haben. (Der Passus ללעלמא ךאןקו der in dem recipirten Texte fehlt, findet sich in dem Citate bei Nachmani Tor. he־Adam Ed. Ven. 90 a und bei Simon b. Zemach Comm. zu Abot Ed. Leipzig 38 b.) In schulmäsziger Fassung wird diese Vergeltungstheorie in einer Baraita (j. Pea I, 1, Synh. I, 1) vorgetragen und zwar in Uebereinstimmung mit der Auslegung R. Akiba’s zu Ps. 36, 7. (Gen. r. c. 33 u. Parallelst.) vgl. auch Sifre II, 307 (Taanit 11a). In ähnlichem Sinne sagt R. Meir von Elisa b. Abuja: מוטב דילידייניה וליו־ץ בעלמא דאתי• (Chag. 15 b ״Besser, dasz er erst seine Strafe abbüsse und dann das Jenseits erlange“.) Gleichartige Aeuszerungen sind בריך רחמנא